Mr. Easy Listening ... himself

Marc Boettcher: "Strangers In The Night - The Bert Kaempfert Story"
[DVD mit CD, VÖ: beide am 1. November, 2004]

Bert Kaempfert machte die Beatles mit "My Bonnie" zu Platten-Stars, lange bevor das berühmte kräftige "Yeah! Yeah! Yeah!" die Ohren der Fans spitzen ließ. Als Backingband von Tony Sheridan folgten sie zunächst Kaempfert Wissen und Können, seiner undogmatisch vermittelten Kreativität. Auf Bitten Brian Epsteins beendete der deutsche Produzent 1962 den Vertrag zwischen ihm und der Gruppe und ebenete so den Weg für die phänomenale Weltkarriere der Fab Four. Im deutschen Fernsehen wird derzeit wiederholt das TV-Feature "Strangers In The Night - The Bert Kaempfert Story". Unlängst erschien dieses Werk in einer Sondereditonen als DVD zusammen mit einer Greatest-Hits-CD.

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Rezension

Facettenreiche Hommage an einen kongenialen und bescheidenen Künstler

DVD-Cover von The Bert Kaempfert Story (C) Universal 2004
DVD-Cover der Kaempfert-Story
Mit Doppelklick Ansicht vergrößern © Universal Germany

Geschichten über bekannte Musiker sind spannend - denn dies sind zumeist Erfolgsstories - so auch im Falle von Bert Kaempfert. Marc Boettcher - bekannt für gut recherchierte TV-Dokus - hat eine chronologisch und detailreiche Filmbiografie über Deutschlands erfolgreichsten Musiker, Produzenten und Komponisten im 20. Jahrhundert geschaffen. "The Bert-Kaempfert-Story" dürfte bekannt sein, sie läuft seit geraumer Zeit in den deutschen Dritten Fernsehprogrammen - so auch demnächst
am 31.12.2004 um 10:40 Uhr im Bayern Fernsehen und
am 11.01.2005 um 23:00 Uhr im RBB.

Bert Kaempferts musikalisches Wirken war facettenreich von Swing über Schlager bis zum Rock'n'Roll. Er hat für Sinatra und Elvis Songs geschrieben und den Beatles zu ihrem ersten Plattenvertrag verholfen. Er erwies sich in seinen Projekten als überaus teamfähig und kreativ. Das brachte ihm Anerkennung in Amerika und in Groß Britannien ein. Kurz vor der "Unsterblichkeit" in Deutschland schied Kaempfert 1980 jedoch aus dem Leben.

Wir haben die zwei Stunden Feature bei angenehmer Musik genossen. Lediglich sechs Minuten sind den Beatles und ihre kurzzeitige Beziehung zu "Mr. Easy Listning" gewidmet. Zuvor macht uns die Doku jedoch mit einem Hamburg bekannt, das in Folge der Hitler-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs in Trümmern liegt. Knapp 16 Jahre danach finden sich ein paar Jungs aus Liverpool in "Swinging Hamburg" wieder.

Einer Aufforderung Tommy Kents nachgekommen, trifft Kaempfert die Beatles mit Sänger Tony Sheridan im Top-Ten. Der damalige Polydor-Produzent sagt: "Ich war der erste, der an diese Jungs geglaubt hat - da war etwas ganz Neues und Anderes." Seine Tochter Marion berichtet von dem ersten Besuch der Beatles bei ihnen zu Hause. "Da standen vier struppige [Typen] vor der Haustür", die zudem nicht sehr vertrauenserweckend aussahen.

Tony Sheridan kommt in dem Feature kurz zu Wort und erzählt darüber, dass sie zwar jung waren. "Da hat man sehr viel Energie von Natur aus ... Aber wir waren ziemlich fertig. Dann fingen wir an, Pillen zu nehmen." Tochter Marion bestätigt, auch Vater Kaempfert habe mitunter zu Preludin gegriffen.

Das TV-Feature geht leider nur am Rande auf die Aufnahmesessions am 22. und 23. Juni 1961 ein. Tony Sheridan erinnert sich: "Wir machten die gleiche Sache, wie auf der Bühne - ohne Tricks: Live, pur, ohne Fehler. Wir waren schon sehr gut." Auf Drängen Kaempferts wird "My Bonnie" als Single veröffentlicht. Die Band hielt andere Aufnahme für interessanter. Doch das Traditonal landet in den deutschen Hitparaden. Der Rest ist Legende ... wie wir ja alle wissen.

Bert Kaempfert gibt deutlich zu verstehen, dass die "Polydor keinerlei Interesse zeigt an der Musik der Beatles". Darüber hinaus bekommt er im Frühjahr 1962 einen Brief von Epstein, in dem dieser die Bedingungen der vorzeitigen Vertragsauflösung anfragt. Kaempfert will sie ohne Gegenleistung ziehen lassen. "Da er in Hamburg nichts mehr für sie erreichen kann", so der Kommentar aus dem Off, "will er ihrer musikalischen Zukunft nicht mehr im Wege stehen." Es kam dann zwar noch mal zu einer weiteren Aufnahmesession, anlässlich der "Sweet Georgia Brown" und "Swanee River" eingespielt wurden. Danach ging jede Partei ihre eigenen Wege.

Kaempfert zweite Tochter Doris weiß dann noch von dem vergeblichen Bemühens ihres Vater zu berichten, Brian Epstein in London zu besuchen. Die Beatles sind mittlerweile weltberühmt. Doch der Manager lässt durch seine Sekretärin ausrichten, "er würde keine Zeit haben und er wüsste gar nicht, wer Bert Kaempfert sei".

Fazit

Foto: Bert Kaempfert in Aktion, London 1979 (C) Universal 2004
Bert in Aktion, London 1979 © Universal Germany

Wer Künstlerbiografien gerne sieht, dem wird eine swingende Lebensgeschichte von einem sehr kreativen, wie auch menschlichen Mann aufgezeigt. Der Film ist gut geschnitten und spannend erzählt. Nicht altbacken - ein modernes Feature eben. Über die Beatles gibt kaum etwas zu berichten. Die Musik und die entsprechenden Bilder der Band dienen lediglich als Hintergrund zu den den Off-Kommentaren und den Interviewsausschnitten mit Bert, seinen Töchtern und Tony Sheridan. Gut - um die DVD voll in sein Herz zu schließen, muß man auch ein Faible für Kaempfert Musik aufbringen: "Wonderland By Night", "Strangers In The Night", "Swinging Safari" oder "Dankeschoen" sind nur einige seiner Welthits - zu denen bereits unsere Eltern getanzt haben.

Da sind wir auch beim Stichwort - Kaempfert oder auch dem im Feature auftretende Freddy Quinn sind die musikalischen Leitfiguren der Pre-Baby-Boomers. Wer Freunde oder Verwandte in dieser Generation hat, der hat mit der DVD "Strangers In The Night-The Bert Kaempfert Story" das ideale Geschenk gefunden. Der DVD liegt außerdem eine Audio-CD mit den größten Hits von und mit "Mr. Easy Listening" bei.

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German BEAT! berichtet

Kaempfert-Story erscheint als DVD

Frankfurt/Main (gbip/27.09.2004) - Bert Kaempfert machte die Beatles mit "My Bonnie" zu Platten-Stars, lange bevor das berühmte kräftige "Yeah! Yeah! Yeah!" die Ohren der Fans spitzen ließ. Als Backingband von Tony Sheridan folgten sie zunächst Kaempfert Wissen und Können, seiner undogmatisch vermittelten Kreativität. Auf Bitten Brian Epsteins beendete der deutsche Produzent 1962 den Vertrag zwischen ihm und der Gruppe und ebenete so den Weg für die phänomenale Weltkarriere der Fab Four.

Der Dokumentarfilmer Marc Boettcher machte schon mit einer Reihe von unpathetischen und gut recherchierten Features, u.a. über die Chansonsängerin Alexandra, auf sich aufmerksam. Und wenngleich die Musik nicht unbedingt in den Kanon von "Come Together" und "Helter Skelter" hinein paßt, so sind die Menschen hinter den von Boettcher beleuchteten Karrieren nicht minder interessant.

Foto: Bert Kaempfert, London 1979 (C) Universal 2004
Bert Kaempfert, London 1979
© Universal Germany

So läßt der Filmemacher Bert Kaempferts Freunde und Weggefährten, wie Freddy Quinn, Hildegard Knef und James Last zu Wort kommen, ebenso wie die Familie Bert Kaempferts. Dabei wird die Geschichte des Mannes erzählt, dessen Ideen einen unverrückbaren Platz in den Annalen der Musik-Historie besetzen,und die vor über 80 Jahren in einem hamburgischen Arbeiterviertel begann. Der Hanseat hat quasi das "Easy Listening" erfunden und dabei sein Wesen in seine Arbeiten übertragen: sympathisch, bescheiden, zurückhaltend - gleichwohl ansteckend, gefühlvoll und lebensfroh.

Die Liste der Solo-Künstler, die mit unverwechselbaren Kaempfert-Kompositionen internationale Erfolge feierten, liest sich wie ein "Who's who" der Unterhaltungsmusik, wie Sinatra, Al Martino, Dean Martin, Ella Fitzgerald und Shirley Bassey. Sarah Vaughan und Peggy Lee. Nat King Cole, Herb Alpert, Johnny Mathis, Brenda Lee, Caterina Valente, Andy Williams oder Nancy Wilson. Sie alle fühlten sich ganz einfach wohl mit den ebenso unangestrengt - leichten wie genial konstruierten Melodien des Hamburgers.

Am 1. November 2004 erschien bei Universal eine DVD in Kombination mit einer Musik-CD, die die wichtigsten Stationen im Leben dieses außergewöhnlichen deutschen Musikers würdigt. Die kurze aber wichtige Zusammenarbeit Kaempfert mit den Beatles läßt uns auf diese spannende Veröffentlichung aufmerksam werden. Insgesamt ist "The Bert-Kaempfert-Story" aber "Off the Topic" einzuordnen.

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Weitere Informationen und Links

Infos zur DVD

Frankfurt/Main (gbip/15.11.2004) - Auf Bert Kaempferts Künstlerseite bei Polydor (Trackliste) und auf seiner offiziellen Webseite www.kaempfert.de gibt es Informationen über den Filminhalt, das gleichnamige Buch und weitere Rezensionen. Speziell über den Film berichtet der Autor Mark Boettcher auf der Webseite www.boettcher-film.de.

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