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George Harrison: Gone Troppo |
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Hobbymusik auf hohem Niveau von German BEAT!-Herausgeber Sven Die achtziger Jahre sind auch Monate nach dem Erscheinen von "Somewhere In England" kein gutes Pflaster für altgediente und erfahrene Rock'n'Roll-Klassiker. Nicht daß die Industrie in dieser Zeit besonders innovativ wäre - im Gegenteil, alte Stile werden aus der "Mottenkiste" gezogen - aber mit jungen und frischen Gesichtern vermarktet. Harrison entzieht sich dem völlig. So ganz nebenbei etabliert er sich mit seiner Produktionsfirma "Handmade" im britischen Filmgeschäft. Doch auch musikalisch bleibt er nicht lange untätig. Er scharrt für sein neues Projekt "Gone Troppo" wieder Freunde um sich. Weitere hilfreiche Unterstützung erfährt George von den Sängern der Ry Cooder Tourband oder von seinem Nachbarn Jon Lord, dem Deep Purple. "Gone Troppo" - der Titel1 ist Programm. Freunde verbringen wohlgelaunt ihre gemeinsame Zeit, lassen dem Herrgott einen guten Tag sein. Nebenbei entsteht noch das komplette Album. Das "Hobby-Meisterwerk" versetzt die Zuhörerschaft in eine positive Stimmung. Schöne Melodien und akzentuierte Rhythmen (schönen Dank an Ray Cooper) sind die Inkredenzien für Harrisons - im nachhinein gesehen, unterschätzte - Arbeit. Die Highlights sind "That's The Way It Goes"2, "Mystical One", "Unknown Delight" und "Dream Away". Auffallend hohen Anteil am Gelingen gerade dieser Stücke hatten die Background-Sängerinnen und -Sänger. Sie vermitteln Harrison insbesondere Mitglied in einer Band zu sein, wo doch George (alias the George O'Hara Smith Singers) ansonsten für seine Vocal Overdubs berühmt ist. Leider verschließt sich George allen Marketing-Überlegungen - keine Promotion, keine Interviews. Mit "Wake Up My Love" wird der schwächste Songs als Single ausgekoppelt - stattdessen "verschenkt (er) mit dem eingängigen 'That's The Way It Goes' einen sicheren Hit"3. Den Schlußsong "Circles" werten die Kritiker als Harrisons Abgesang auf sein öffentliches, musikalisches Wirken. Zunächst gönnt sich George zwar eine längere Auszeit bevor er sich nach "Cloud Nine" und den Wilburys fast völlig zurückzieht. Im Fazit können wir feststellen, daß es das Album "Gone Troppo" wiederzuentdecken gilt. Gebeutelt von miesen Verkaufszahlen und vernichtenden Kritiken offenbaren sich den Zuhörerinnen und Zuhörern zwar kleine Schwächen. Schon allein der Opener ist signifikant für die Überladung des Albums mit Synthi-Elementen. Dahinter kommt jedoch ein Perlenstrang voller schöner und gut arrangierter Melodien zum Vorschein. Track/Titel Autoren | Dauer | Credits4 Details4,5 1. Wake Up My Love Harrison | 03:33 | GEORGE vocal, guitars, bass; MIKE MORAN keyboards; RAY COOPER percussion; HENRY SPINETTI drums Ein lautes Rockpiano- und Gitarren-Intro wie auch der Einstiegsvers verkünden die Botschaft: "Here I Go Again" - frei nach dem Motto: "Da bin ich wieder." Da mag die Hoffnung mitgeschwunden haben, nach "All Those Years Ago" wieder einen Hit zu landen - doch weit gefehlt. Die Single (mit Greece als B-Seite) floppt in den Charts, nicht zuletzt weil Harrison jedewede Form des Vermarktung verweigert. Dabei hat die Aufnahme alle Inkredenzien früherer Harrison-Ohrwürmern, wie "It's What You Value" oder "Tearsdrops". Auch wenn Elton John ein wenig auf die Schippe genommen wird, der Song wirkt allzu überladen von Schichten von Synthesizern und elektronisch aufgepepptem Gesang. 2. That's The Way It Goes Harrison | 03:32 | GEORGE vocal, guitars, synthesizer; HERBIE FLOWERS bass; HENRY SPINETTI drums; MIKE MORAN keyboards; RAY COOPER percussions; WILLIE GREENE bass vocal Der positive musikalische Tenor dieses Stückes ist nur vordergründig. In Wahrheit hält Harrison der britischen Gesellschaft,geprägt von "Money Madness"6 und Thatcherismus, den Spiegel vor. "That's The Way It Goes" ist eine typische britische Umschreibung für die allgemeine Ignoranz gegenüber - ja sogar stille Akzeptanz von - Unfairness oder Fehlverhalten. Harrison will kein Teil dieser Gesellschaft sein. Er zieht sich in sein durch Religion und Liebe geprägtes Leben zurück. Musikalisch besticht dieser Song hervorragend durch die Slide-Guitar, im Background durch mehrere Lagen von akustischen Gitarren. Beeinflußt von Ry Cooder heuert George ein afro-amerikanisches Gesangstrio an, dessen Bass-Sänger Willie Greene besonderen Anteil am warmen Sound hat. Jener Ry Cooder präsentiert in 1993 mit seinem Album "Meeting By The River" eine virtuose Slide-Guitar, gespielt nach Vorgaben indischer Musik, just so wie es George mit "That's The Way ..." bereits zwölf Jahr zuvor demonstriert.7 3. I Really Love You Swearingen | 02:53 | GEORGE vocal; HERBIE FLOWERS bass; HENRY SPINETTI drums; MIKE MORAN keyboards; RAY COOPER feet, fender rhodes, glockenspiel; WILLIE GREENE vocal; BOBBY KING vocal; PICO PENA vocal Wenn George auf seinen Alben Songs covered, dann stammen diese Titel durchweg aus der "guten alten Zeit der Fuffziger und Sechziger". So war "I Really Love You" in 1961 ein respektabler Hit der Vokal-Gruppe The Stereos, in der auch der Komponist Leroy Swearingen als erster Tenor mitwirkte. Joni Mitchell ist die erste in den achtziger Jahre, die die sogenannte Doo-wop-Musik wiederentdeckt, gefolgt von George und später auch von Paul Simon. Für "I Really Love You" nehmen Harrison und seine Mannen insgesamt zehn Gesangsspuren auf. Außerdem ist dieser Song eine der seltenen Aufnahmen, bei der der Gitarrist George kein Saiteninstrument einsetzt. 4. Greece Harrison | 03:57 | GEORGE vocal, guitars; HERBIE FLOWERS bass; HENRY SPINETTI drums; MIKE MORAN keyboards; WILLIE GREENE bass vocal; BILLY PRESTON keyboards Die durchweg eingehaltene "Aufbruchstimmung" des Albums verdanken wir sicher auch dieser Hommage an das Land der Hellenen, einem Instrumental (abgesehen von der gesungenen geografischen Beschreibung) - und das weniger als ein Jahr nach so niederschmetternden Songs, wie "Blood From A Clone". Hier kommt jetzt richtig Urlaubsstimmung auf. Harrisons "Gitarren-Orchester" - durchsetzt von einer streng angeschlagenen Bouzouki - sorgt für den "warmen Wind" in dem Sounderleben.8 5. Gone Troppo Harrison | 04:27 | GEORGE vocal, guitars, marimba, jal-tarang; HERBIE FLOWERS bass; HENRY SPINETTI drums; MIKE MORAN keyboards; RAY COOPER percussion, marimba; JIM KELTNER percussion; JOE BROWN backing vocals; VICKI BROWN backing vocals Seit gut zwanzig Jahren steht Harrison nahezu ununterbrochen im Rampenlicht des Rock'n'Roll-Business. Schließlich erliegt auch er dem Wunsch nach mehr Sinneslust als ewig dem Erfolg hinterherzujagen. So ist seine Botschaft spätestens seit diesem Album für die Zukunft klar definiert: "Gonne Troppo" - "Ab in den Süden - eeoo, was geht ...". Besonders die Schlaginstrumente sind wie der musikalische "Cocktail" an der Strandbar. Diese für einen Popsong mehr oder weniger komplexe Instrumentierung hat ihre Wurzeln in Stücken wie "Deep Blue" oder der Zusammenarbeit mit David Bromberg in 1971. 6. Mystical One Harrison | 03:43 | GEORGE vocal, guitars, mandolin, synthesizer; HERBIE FLOWERS bass; HENRY SPINETTI drums; MIKE MORAN keyboards; RAY COOPER percussion, synthesizer; JOE BROWN mandolin Das musikalische Pendant zu seiner Autobiografie "I Me Mine" heißt "Mystical One". Hierin erzählt George sein Leben als öffentliche Person und wie verrückt dieses doch war. Im wesentlichen war es auch fremdbestimmt ("taking me melting my heart away"). Demgegenüber - die Musik bedeutet ihm mehr als Stimmung und Harmonie, es ist der meditative Aspekt. In dieser Einstellung liegt auch sein "Drop Out" vom Musikgeschäft seit Anfang der neunziger Jahren begründet. Leng konstatiert zutreffend, "Musik war sein persönliches Anliegen, das er nicht mit der Öffentlich zu teilen brauchte".9 Aber George wäre nicht George, wenn die etwas bittersüßen Botschaften nicht mit einer versöhnlichen Attitüde versehen sind - der Melodie des Stückes. Wunderschöner Chachacha, der in die Beine geht. Außerdem hören wir Joe "I'll See You In My Dreams" Brown an der Mandoline. 7. Unknown Delight Harrison | 04:14 | GEORGE vocal, guitars, synthesizer; WILLIE WEEKS bass; JIM KELTNER drums; NEIL LARSEN keyboards; RAY COOPER percussion; GARY BROOKER synthesizer; WILLIE GREENE backing vocals; BOBBY KING backing vocals; PICO PENA backing vocals In der Tradition von "Learing How To Love You" und "Something" - dem zudem ein paar Zitate entnommen sind - präsentiert sich dieses Liebeslied eines Vaters über seinen kleinen Sohn. "Weniger überzuckert als Lennons 'Beautfiful Boy'" wartet die Ballade mit reichlich Harmonien auf, deren Prägnanz auf die Qualitäten der Backing Vocals Greene, King und Peņa zurückzuführen ist. Phil Spector hätte sicherlich seine Freude an diesem Stück gehabt. 8. Baby Don't Run Away Harrison | 03:57 | GEORGE vocal, synthesizer; JIM KELTNER drums; MIKE MORAN bass synthesizer, keyboards; RAY COOPER percussion; BILLY PRESTON backing vocals; RODINA SLOAN backing vocals Signifikant für das Album "Gone Troppo" ist der für heutige Verhältnisse inflationäre Einsatz von Synthesizern. Zum einen ist der Song die Antwort auf die weniger melodie-bessenen Synthi-Popper Soft Cell und Depeche Mode, zum anderen leidet dieser zauberhafte Song an dieser Überproduktion. Ansonsten besticht auch "Baby Don't Run Away" durch seine Backing Vocals. Elfengleich singt hier Rodina Sloan. Und seit Jahren gibt Billy Preston - allerdings nur als Backing Vocal - mal wieder ein Stelldichein auf einer Harrison-Produktion. 9. Dream Away Harrison | 04:27 | GEORGE vocal, synthesizer; DAVE MATTACKS drums; ALAN JONES bass; MIKE MORAN keyboards; RAY COOPER percussion; BILLY PRESTON backing vocals; SYREETA backing vocals; SARAH RICOR backing vocals George Harrison beteiligt seit geraumer Zeit sehr erfolgreich mit seiner Produktionsfirma "Handmade Films" im Filmbusiness. Besonders die britische Comedy-Truppe "Monty Python" hat der Ex-Beatle in sein Herz geschlossen. Handmade Films steuert ihre Barschaft zunächst dem Streifen "Das Leben des Brian" bei - ein absoluter Kassenknüller. Der Nachfolger "Time Bandits" steht dem im nichts nach. Für dessen Abspann hält Harrison den Song "Dream Away" bereit. George beweist Pop-Qualitäten mit eingängigem Arrangement und einem schaurig-schönen "Billy plus zwei Mädel"-Background-Chor. 10. Circles Harrison | 03:45 | GEORGE vocal, guitars, bass, synthesizer; RAY COOPER percussion, synthesizer; MIKE MORAN keyboards; HENRY SPINETTI drums; JON LORD synthesizer; BILLY PRESTON organ, piano Das Harrison zu Beatles-Zeiten weitaus mehr Songs geschrieben hat, als die das Album The Best Of George Harrison weißmachen möchte, ist hinlänglich bekannt. Viele dieser verborgenen Perlen tauchen Jahre später in Solo-Produktionen auf, wie auch das 1968 geschriebene "Circles". Die Beatles sind Gäste des Maharishi Yogi in Rishikesh/Indien. Der Titel beschäftigt sich mit der indischen Religion ansich und der Wiedergeburt. Leng beschreibt "Circles" als "eines der komplexesten Stücke des Komponisten"10: Chromatische Akkordfolgen und ein musikalisches Netz verküpft mit einer Geschichte aus Wiederholung und Verstrickung. Musikalische Verstärkung an Synthesizer und Orgel holt sich George von seinen Freunden Jon "Smoke On The Water" Lord und Billy Preston. "Circles" zeugt abermals von Harrisons Talent, Musik als höchste Form des Selbstausdruckes zu kultivieren, ohne sie jedoch an den Erfordernissen des Musikbusiness zur "Marktreife" bringen zu müssen. Weitere Informationen |
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Produzent: George Harrison, Ray Cooper
und Phil McDonald |
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Aufgenommen (Zeitraum/Ort): Mai bis August 1982 in Friar Park, England. |
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Erstveröffentlichung: 8. November 1982 |
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Label/Company: Dark Horse/Warner |
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Chartpositionierungen (Album)5,11,12 Land | Höchste Position | Anzahl der Wochen in den Charts | Charteinstieg: US | Nr. 108 | k. A. | 1982 Chartpositionierungen (Singles)5,11,12 Land | Titel | Höchste Position | Anzahl der Wochen in den Charts | Charteinstieg: US | Wake Up My Love | Nr. 53 (Pop Single Charts) | k. A. | 1982 |
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Stand: 03.02.2003 [Nach oben ...] |
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Quellenangaben: 1 Lt. http://www.jpgr.co.uk/k9237341.html ist "Gone Troppo"eine Umschreibung für "Going mad in the heat of the tropics". 2 Neben "That's The Way It Is" haben es "Wake Up My Love" und "Gone Tropp0" auf den Sampler "Best of Dark Horse 1976 - 1992" geschafft. 3 Sir Dirk Crisp: Old Brown Shoe: George Harrison wurde 50 - Teil II. Yellow Submarine 3/1993, S. 36; 4 Simon Leng: The music of George Harrison. S. 174ff. 5 http://www.jpgr.co.uk/k9237341.html 6 Simon Leng: ebenda. S. 175. 7 Simon Leng: ebenda. S. 176. 8 Simon Leng: ebenda. S. 177. 9 Simon Leng: ebenda. S. 178. 10 Simon Leng: ebenda. S. 180. 11 www.allmusic.com 12 Sir Dirk Crisp: George Harrison in den britischen Charts. Yellow Submarine 2/1993, S. 8-9; © by German BEAT! DAS Portal rund um Beatles und Beat, 2004. Der Nachdruck bzw. die Übernahme des Inhaltes in andere Webseiten bedarf der ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung des Autors. |