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George Harrison: Thirty Three & 1/3

1976 erscheint unter widrigsten Begleitumständen Harrisons bis dato poppigstes Album
von German BEAT!-Herausgeber Sven

"33 & 1/3, das ist einmal mein Alter und dann die Geschwindigkeit, mit der man die Platte abspielen muß."1 1976 faßt George Harrison wieder neuen Lebensmut. In diesem Jahr verliebt er sich in seine spätere Ehefrau Olivia Arias, sie ist seinerzeit Sekretärin in Georges Plattenfirma Dark Horse. Da die hübsche Mexikanerin dem Ex-Beatle ganz schön den Kopf verdreht, erstaunt es nicht, daß die für das neue Album vorgesehenen Titel einem durchweg optimistischen, bisweilen beswingten und auf jedenfall verliebten Charakter folgen. Nicht zuletzt motiviert durch die "Entfesselung" von der EMI und dem Wechsel zu seinem eigenen Label starten Harrison und seine Musikerkollegen Ende Mai durch mit den ersten Aufnahmen zu "33 & 1/3". Man plant, das Album pünktlich zu Harrisons 33 & 1/3 Geburtstag bei A&M herauszubringen. Doch eine schwere Hepatitis macht George zu schaffen und legt ihn für mehr als zwei Monate lahm. Davon einigermaßen erholt, kommt im September der nächste Schock. Ein New Yorker Gericht befindet Harrison des Plagiats für schuldig, sein Mega-Hit "My Sweet Lord" aus dem Jahre 1970 klingt verdammt nach dem Titel "He's So Fine" von den Chiffons.

Doch 1976 scheint George Klageschriften "abonniert" zu haben. Ende September verlangt die Plattenfirma A&M 10 Millionen US-Dollar, weil das neue Album nicht rechtzeitig fertiggestellt wurde. Die Parteien einigen sich außergerichtlich. Man kann sich des Eindruckes nicht ganz erwehren, daß A&M nur die Gelegenheit gesucht hat, selbst elegant den vertraglichen Verpflichtungen zu entkommen. Harrisons Dark Horse geht nun eine langjährige Kollaboration mit Warner ein.

Schließlich gilt es festzustellen: Ende gut, alles gut. Am 19. November 1976 erscheint Harrison achtes Solowerk. Es wird sein bis dato poppigste LP - sie "strotzt geradezu vor positiver Energie"6. "Ich bin wirklich zufrieden mit dem Album. Es ist das Beste, was ich seit drei oder vier Jahren gemacht habe."1 Ihm gelingt mit "33 & 1/3" ein Achtungserfolg. In Deutschland ist er Anfang Februar 1977 live erstmalig im deutschen Fernsehen zu sehen - in der ZDF-Sendung "Disco" mit dem Stück "This Song".

George Harrison produziert das Album mit genauso viel Herzblut wie seinerzeit "All things must pass". Dem allgemeinen Trend angepaßt vereinigt "33 & 1/3" zeitgemäße Einflüsse wie Funk, Jazz oder Synthi Pop. Aber die Kritiker haben 1976 einfach kein Interesse an George Harrison. Simon Leng kommt in seinem Buch "The Music of George Harrison" jedoch zu dem Schluß "wäre es in 1974 veröffentlicht worden, seine Karriere würde einen Weg genommen haben"2.

Track/Titel
Autoren | Dauer | Credits2
Details2,5,6


1. Woman Don't You Cry For Me
Harrison | 03:15 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; DAVID FOSTER clavinet; RICHARD TEE keyboards; TOM SCOTT horns

Die Komposition ensteht im Dezember 1969 während einer Bonnie & Delaney-Tour. Das Arrangement, der Keyboard- und Horn-Einsatz sind die Inkredenzien für einen in 1976 zeitgemäßen Sound. Bereits die ersten Takte versprühen Energie. Angesicht dessen und angesichts des Textes, in dem vom Zurücklassen einer Frau die Rede ist, offenbart sich "Woman don't you cry for me" als idealer Opener für eines von Harrison "sunniest"2 Alben. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß der Songs fast durchweg auf einem Akkord hängen bleibt, wie zu Zeiten des Skiffles - zwischendurch mit Georges genialen Slide-Guitar-Einwürfen garniert.

2. Dear One
Harrison | 05:08 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; RICHARD TEE organ; GARY WRIGHT keyboards

"Dear One" ist eine aktuelle Komposition. Hiermit kehrt George zu seinen religiösen Wurzeln zurück. Der Song ist dem Yogi Paramahansa Yogananda gewidmet, der die indische Lehre erstmals in einem Buch der westlichen Welt vorstellte. Musikalisch besticht diese Ballade durch das - von Joni Mitchell inspirierte - akustische Gitarrenspiel sowie durch die Hammondorgel. Alles in allem eine gelungene Transformation indischer Musiklehre auf die Maßstäbe westlicher Popmusik.

3. Beautiful Girl
Harrison | 03:38 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; RICHARD TEE piano; BILLY PRESTON organ

Die Ursprünge dieses Songs gehen auf das Jahr 1969 zurück, als George zusammen mit Stephen Stills an einem Album für Doris Troy arbeitete. Seine Beziehung zu Olivia mag ihn dann in 1976 veranlaßt haben, den Song für das neue Album fertigzustellen. "Beautiful Girl" wird maßgeblich getragen vom Gitarrenspiel sowie Billy Prestons genialem Hammondorgel-Hook. Diese Ballade deutet an, was mit dem Album "George Harrison" in 1979 fortgeführt wird. Gleichzeitig läßt der Song erahnen, welches Potiential die Herren McCartney und Lennon haben vorüberziehen lassen - "Beautiful Girl" wäre auch auf der Basis eines Sechziger-Jahre-Arrangements mit Sicherheit ein Beatles-Klassiker geworden.

4. This Song
Harrison | 04:11 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; RICHARD TEE piano; TOM SCOTT saxophone; BILLY PRESTON keyboards; ERIC IDLE silly voices

Nachdem "33 & 1/3" so positiv begonnen hat, markiert die satirische Aufarbeitung der Plagiats-Klage eine Art Zäsur - inhaltlich mit viel Wortwitz vorgetragen. Musikalisch ist "dieser Song" der Blockbuster des Albums. Markanter Gospel-Rock - WAR sowie EARTH, WIND AND FIRE mögen Pate gestanden haben. Perfekt wie immer wird dies unterstrichen durch Tom Scotts Hornspiel. Über Achtungserfolge in Deutschland und den USA (Nr. 15 der Billboard Charts) kommt "This Song" aber leider nicht hinaus.

5. See Yourself
Harrison | 02:47 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; RICHARD TEE keyboards; GARY WRIGHT keyboards; BILLY PRESTON keyboards

Hatte George Harrison Jahre zuvor noch selbst Trends in der Musik gesetzt, so ist er es, der bei der Produktion des aktuellen Albums allzu gerne auf andere Einflüsse zurückgreift. Neben R&B werden die aktuellen Hitparaden zunehmend durch Synthesiser Musik bestimmt. Zusammen mit Gary "Dream Weaver" Wright greift George diesen Trend auf und kombiniert diesen mit dem in den sechziger Jahren komponierten Song. Musikalisch interessant ist der Tempi-Wechsel vom 4/4 Standard Rock zum 9/8 Staccato. Aus heutiger Sicht wirkt das Stück überproduziert - aus dieser schönen Melodie und dem kritischen Text läßt sich anderes machen. Wie "Dear One" ist "See Yourself" Yogi Yogananda gewidmet.

6. It's What You Value
Harrison | 05:06 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; RICHARD TEE piano; TOM SCOTT horns; EMIL RICHARDS marimba

Dieser 1974 geschriebene Titel ist ein weiterer Beleg dafür, was George Harrison von der "Material World" hält. "Du bist nur das wert, was Dein 450SL hergibt", heißt es sinngemäß. Musikalisch gesehen, ist der Groove und das Arrangement vergleichbar mit denen des Titels "This Song". Signifikant dafür sind wieder einmal Tom Scotts Hörner und Richard Tees pointiertes Piano. Unglücklicherweise bleibt dieser lockeren Studie über den Wert eines Menschen das "Single-Dasein" und somit ein Chart-Erfolg verwehrt.

7. True Love
Cole Porter | 02:43 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; DAVID FOSTER electric piano; RICHARD TEE organ

"True Love" von Cole Porter ist den meisten als Duett mit Bing Crosby und Grace Kelly aus dem Film "High Society - Die oberen Zehntausend" bekannt. Damit schließt Harrison an eine alte Tradition aus Hamburger Tagen an, bekannte Filmmelodien Rock'n'Roll-mäßig aufzupeppen. Bestechend für den Sound ist Georges Markenzeichen - die Slidegitarre sowie ein für 1976 nicht untypischen, verstärkten Keyboard-Einsatz. Warner veröffentlicht in UK die Single "True Love" mit "Pure Smokey" als B-Seite. Der Charterfolg blieb leider auch hier versagt.

8. Pure Smokey
Harrison | 03:50 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; DAVID FOSTER keyboards; RICHARD TEE keyboards; TOM SCOTT horns

Mit diesem Titel gelingt Harrison eine einfühlsame Soul-Ballade - zu Ehren des großen Smokey Robinson. George ist der einzige Beatle, dem Soulambitionen nachgesagt werden können. Harrison kommt mit diesem Genre bei seiner Arbeit mit Billy Preston und Doris Troy Ende der Sechziger Jahre in Berührung. Den Flaschenhals beiseite gelegt, begeistert der Künstler mit seinem exzellenten Gitarrenspiel - Riffs im Schulterschluß mit Eric Clapton.

9. Crackerbox Palace
Harrison | 03:55 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; RICHARD TEE keyboards; TOM SCOTT lyricon; EMIL RICHARDS marimba

"Crackerbox Palace" ist der Name eines Hauses in Los Angeles, das seinerzeit dem bekannten amerikanischen Comedian Lord Buckley gehörte. George Harrison schreibt den Titel in 1975, inspiriert dadurch, daß jemand den Ex-Beatle eben mit jenem Lord Buckley verglichen hat. Mit Platz 19 erreicht der Titel in den amerikanischen Billboard-Charts sein Optimum. George dreht ein witziges Video auf Friar Park - seinem "Crackerbox Palace" sozusagen. Friar Park ist ein Monument englischer Exzentrik einerseits und der britischen Liebe zur Gärtnerei.

10. Learning How To Love You
Harrison | 04:12 | GEORGE vocal, guitars; WILLIE WEEKS bass; ALVIN TAYLOR drums; DAVID FOSTER keyboards; RICHARD TEE keyboards; TOM SCOTT horns

Diesen Titel hat George ursprünglich für Herb Alpert komponiert. Eine wunderbare Ballade, einfühlsam und technisch brillant arrangiert. Nicht von ungefähr wird "Learning how to love you" als die beste seit "Something" bezeichnet. Ähnlich wie bei dem Abbey-Road-Klassiker basiert der Song im wesentlichen auf einer im Halbton abwärts bewegenden Akkordfolge. Der jazzige Touch ist Scott zu verdanken. Das Stück beeindruckt vor allem auch durch das akustische Gitarrensolo. Der Song wie auch das gesamte Album führen ein Schattendasein.

Weitere Informationen

Produzent: George Harrison
Aufgenommen (Zeitraum/Ort): 24. Mai bis 13. September 1976 in Friar Park, England.
Erstveröffentlichung: 19. November 1976
Label/Company: Dark Horse/Warner
Chartpositionierungen (Album)3,4
Land | Höchste Position | Anzahl der Wochen in den Charts | Charteinstieg:

UK | Nr. 35 | 4 Wochen | 18. Dezember 1976
US | Nr. 11 | k. A. | 1977
Chartpositionierungen (Singles)4
Land | Titel | Höchste Position | Anzahl der Wochen in den Charts | Charteinstieg:

US | Crackerbox Palace | Nr. 19 | k. A. | 1977
US | This Song | Nr. 25 | k. A. | 1977
Stand: 13.01.2003
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Quellenangaben:
1 Freizeit Magazin: Eine neue Liebe gibt ihm wieder Lebensmut. Frühjahr 1977 (?), S. 10.
2 Simon Leng: The music of George Harrison. S. 140 ff.)
3 www.jpgr.co.uk/k56319.html
4 www.allmusic.com
5 Sir Dirk Crisp: George Harrison in den britischen Charts. Yellow Submarine 2/1993, S. 8-9;
6 Sir Dirk Crisp: Old Brown Shoe ... Teil II. Yellow Submarine 3/1993; S. 34ff.

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