Blaupause für ein nie mehr erscheinendes Album
Rezension zur CD
"John Lennon: Acoustic"
Für sich gesehen ist "Acoustic" eine gelungene Zusammenstellung akustischer Versionen von bekannten Lennon-Titeln. Besser hätte diese Auswahl nicht ausfallen können. Das Album unterstreicht ganz deutlich die Klasse und zugleich die Schlichtheit der Kompositionen. Gerade die etwas aufwendigeren Studio-Produktionen, wie zum Beispiel "Watching The Wheels" beweisen als reines Gitarrenstück eigenen Charakter. Die bekannten Blockbuster "God", "Cold Turkey" oder "Dear Yoko" lernen wir auf der "Acoustic" in einem frühen, aber nicht effektlosen Stadium kennen.
Anhand dieser speziellen - für Gesang und Gitarre prädesinierten - Versionen wird deutlich, um welche musikalische Hinterlassenschaft der frühe Tod John uns gebracht hat. Im Zuge der Unplugged-Welle in den neunziger Jahren hätte der Ex-Beatle seine Fans mit dem wahrscheinlich - auch soundtechnisch - nachhaltigsten seiner Alben beglücken können, ähnlich wie es Clapton geschafft hat, "Layla" und Co. neues Leben einzuhauchen.
"Acoustic" taugt leider nur als "Blaupause" für eine solches Mega-Album, denn es ist alles andere als eine virtuos produzierte Platte. Die CD besteht ausschließlich nur aus Home- und Demo Recordings. Nun - genau das war ja auch zu erwarten und stimmt bei der Beurteilung der Soundeigenschaften der CD extrem milde. Im Gegenteil, die Versuche, den Songs produktionstechnisch noch etwas Patina zu verleihen, bleiben nicht unerhört. Mag sein, daß sogar noch nachträglich "fremde Hand angelegt" wurde. Nach mehrmaligem Hören gefällt das Album zunehmend. Doch - bevor Verbraucherschützer auf den Plan gerufen werden - weniger vertrauten "Acoustic"-Interessierten sollte explizit der Hinweis auf die schlichte Produktion gemacht werden.
Das Konzept, Johns Lebenswerk thematisch zu ordnen, ist mit der 1998 erschienenen Anthology-Box mehr als gelungen. "Acoustic" schlägt ein neues Kapitel dieser Werkschau auf und richtet den Fokus auf die Genialität des Komponisten und Textdichters John Lennon. Leider ist die Schnittmenge des neuen Albums mit der Box einfach zu groß. 10 Songs sind bereits zuvor veröffentlicht. Zugunsten des konsistenten Compilation-Gedankens ist das sogar noch zu verschmerzen.
Das 20seitige Booklet schaut ok aus. neben en Texten und Gitarrenakkorden sind dort einige Fotos und Zeichnungen abgedruckt. Aber, um im Kontext der Anthology zu bleiben, wäre es informativ gewesen, die Daten und Fakten zu jeder einzelnen Aufnahme mitzuliefern. Übrigens, das Album ist "Copy Controlled". Der Hinweis hierauf erfolgt bei diesem Album durch einen Sticker auf dem Jewel-Case und durch einen Aufdruck auf dem Back-Cover.
Im Fazit bleibt festzuhalten, "Acoustic" ist zwar kein "Selbstläufer", aber wir sind überzeugt, daß dieses Album sich früher oder später einen Stammplatz in den Herzen der Fans erobern wird. In diesem Sinne wünschen wir viel Spaß beim Hören und Nachspielen.
Weitere Informationen
Offizielle Informationen siehe auf der Webseite von Capitol Music Germany. Weitere relevante Informationen siehe auf Steve Marinuccis Spezialseite zum neuen Album oder auch bei Beatlemania.
Zum "Acoustic"-Album wie auch zu "Rock And Roll" gibt es auf der Webseite des Radiosenders KGSR den Abdruck eines Exklusivinterviews mit Yoko Ono vom Oktober 2004.
Siehe auch unseren Vorbericht mit dem Titel "Ein Mann und seine Gitarre ".

