Deutsche Tageszeitungen und ntv sind nicht gerade begeistert von der neuen DVD.
Der Tenor ist, daß die Arbeit eher ein "Ego Trip" von Yoko Ono und eine Mystifizierung
von John darstellt. Es sei kein cooles Musikvideo oder eine Auseinandersetzung mit
einem rebellischen, widersprüchlichen Musiker. "Vermutlich dem starken Einfluss von
Ono hat die DVD eine insgesamt eher rührselige Note zu verdanken. Es fügt sich das
makelfreie Bild von einem Mann, der seine Frau anhimmelte, mit Kindern herumalberte,
auf Friedensdemos ging und romatische Spaziergänge im Central Park liebte",
reklamieren die Medien. "Ob ... John Lennon so in Erinnerung bleiben wollte?"
Vieles im Leben von John Lennon spricht dafür, daß er so in Erinnerung bleiben wollte.
Dem Rolling Stone sagte John 1980: "... aber wenn sie uns als Paar nicht wollten,
dann hatten wir auch kein Interesse mehr". Das Konzept seiner Karriere als Ex-Beatles
war es - bis auf einige Ausnahmen - gewesen, Yoko aktiv in seine Musik und Aktionen
einzubinden. Wie kein zweiter hat John sich so mit seiner Ehefrau identifiziert. Yoko
war Johns Muse und Ideengeberin. John reichhaltiges Erbe lebt nun weiter - dank Yoko.
Johns Segen ist dieser DVD bestimmt sicher.
Gut, die Musik und die Videos sind in ihrer Qualität widersprüchlich - wie das Leben
des "Beatle John" auch - eben keine reine Zusammenstellung von "the very best of
John Lennon". Denn, wo bitte schön sind "Remember", "Isolation", "God"?
Doch insgesamt führt dies wohl nicht zur Abwertung: Dank der klaren frischen Musik
und dank der kurzweiligen Videos ist diese DVD ohne jeden Zweifel ein Muss.
Vom musikalischen Standpunkt aus gesehen, gehört die DVD in jede
Beatles-Sammlung. Sie eignet sich auch als ideales Geschenk für solche, die sehr
gute und zeitlose 70er-Jahre Rock'n'Roll Musik lieben.
Zu den Bewertungen im einzelnen:
Die Musik
Das wichtigste Element dieser Veröffentlichung ist die Musik - für die John Lennon
nun wirklich gut bekannt ist. Jedenfalls der Sound ist wahrhaft beindruckend: besser
denn je. Die Produzenten nutzten vorsichtig die Möglichkeiten des 5.1 Surround
Soundes - und das nicht überdosiert. Ein Beispiel ist die Aufteilung der Musik auf
die verschiedenen Kanäle - ein Kanal für die Frontlauftsprecher, einer für die
hinteren, der letzte für den Center: Eine spezielle Art des Raumklanges.
Die meisten Songs werden nicht ausgeblendet - das verschafft einen gewissen Charme.
Die Musik hört sich frisch und klar an: So hat man "Imagine" jedenfalls noch nie
gehört. Beeindruckend sind die Aufnahmen von "Mother", "Watching the Wheels" und
"Happy XMAS" - einfach brillant.
Die Videos
Musik und Film zu verbinden, war ja sehr früh eine Leidenschaft von John und Yoko
gewesen. Einige dieser Videos wurden komplett überarbeitet und in eine zeitgemäße
Form gebracht. Andere sind eigens für die DVD produziert worden - dies sind die
stärksten und ergreifensten Filme, wie beispielweise:
"Mother"- Im Rhythmus der Musik schweben schwarz-weiß Bilder aus Johns kompliziertem
Beziehungsleben mit Eltern, Ehefrau und Kindern über dem Schirm. Die perfekte
Symbiose aus Musik und Bild.
"Working Class Hero"- Nachgespielte und originale Szenen aus Johns Leben geben dem
optischen Rahmen zu einem der stärksten Lennon-Songs. Ergreifend die Aufarbeitung
des Attentats: In einer Szene wird das Platten-Cover gezeigt, das John am Todestag
für seinen Mörder unterzeichnete. In der nächsten Szene fällt ein Blutstropfen auf
die erste Seite des Romans "The Catcher in the Rye" von J.D. Salinger. Chapman war
von diesem Buch besessen und bezog daraus Inspiration für seine sinnlose Tat. Die
nächste Szene zeigte einige Presseberichte vom Ableben John Lennons.
"Happy XMAS" - Das Video ist bereits jetzt sehr umstritten - darf man solche Szenen,
solches Leid zeigen? Nun der Songs hat wahrscheinlich erst mit diesen Bildern seine
wahre Botschaft offenbart. Ein Song, der in den letzten Jahren im Reigen mit
"Wonderful Christmas Time" (von Paul McCartney) und "Last Christmas" (von Wham!) auf
diversen Rock-Christmas-Compilations zu einer Flower-Power-Schnulze verkam. Der Film
zeigt tote, verstümmelte Kinder, weinende Eltern auf der einen wie auf der anderen
Seite der "Front". Das Leid, die Not ist überall. Der Film zeigt Trümmer- und
Staubwolken. Er zeigt Menschen, die davor flüchten im Irak, wie in Manhattan. Die
Botschaft ist klar - der Krieg ist (nur) vorüber - wenn wir (alle) es wollen.
Schwach ist eigentlich nur "Cold Turkey" - denn die absolut brillante Studioaufnahme
dieses Rockers paßt so garnicht zu den Filmschnipseln des "One-to-One-Concerts".
Die Special-Features
Die Extra-Songs im Special Features sind "nur" Stereo.
Stark ist auch hier wieder "Working Class Hero". Diese spezielle Anthology-Version
ist gespickt mit bekannten Interview-Schnipseln, in denen John über sein Leben
erzählt. Zusammen mit den Bildern ist dies sicher die kürzeste Lennon-Biografie.
Daß der letzte Liveauftritt von John Lennon auf dieser Compilation Einzug findet,
hat sicher seine Berechtigung - wenngleich "Imagine" etwas emotionslos vorgetragen
wurde.
Animationen von Johns Zeichnungen und eine Fotogalerie sind nette Gimmicks - sicher
kein "Must" dieser DVD.
Die Menütechnik und das Artwork
Das Menü ist klar strukturiert und wirkt zeitgemäß. Auch hier wurde versucht, John
nicht als Flower-Power-Alt-Hippie zu verkaufen, sondern als Künstler, dessen Musik
und Aussage gerade heute seine Berechtigung hat.
Das Artwork ist schlicht. Das Booklet ist ähnlich wie das der CD. Die Innenseite des
Inlays zeigt eine Bildergalerie. Detaillierte Informationen zu den Songs (über die
üblichen Credits) und zu den Filmausschnitten fehlen gänzlich im Booklet und auf der
DVD - eigentlich schade.
Links zur DVD
Ein paar Details zu den Songs und zum Filmaterial gibt es in der Pressemitteilung der
Capitol Music Germany.
Weitere Details und Downloads zum Konzept und zum Artwork der DVD sind sehr gut der Homeage zu
"Lennon Legend" zu entnehmen.
News zur aktuellen Veröffentlichung gibt es bei Beatlemania (in deutscher Sprache)
und bei Abbeyrd Beatles News Brief (in englischer Sprache).
Informationen zu dem Buch aus dem Goldstein-Verlag: "James Henke - John Lennon. Die Legende" sind hier nachzulesen ...
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(C) by German BEAT!, Germany, 02.11.2003
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