In Kürze
In Deutschland gehört britischer Humor seit eh und je zu den beliebtesten Importschlagern von der Insel. Das ist nicht erst seit "Bridget Jones" oder "Ganz oder Garnicht" der Fall. Die Tradition der Britcoms reicht Jahrzehnte zurück. Am 10. August 2004 sind drei dieser Filmschätze erstmals auf DVD erschienen. Mit diesem Britcom-Paket holt man sich Programmkinoatmosphäre in das heimische Wohnzimmer.

German BEAT alonda Caveman

Programmkinoatmosphäre für das Wohnzimmer

Mit "Der Kniff", "Wie ich den Krieg gewann" und "Caveman" hat MGM jetzt drei typische Vertreter des sogenannten Britcom-Genres endlich in Deutschland auf DVD veröffentlicht. Comedy- und Satirefilme aus England sind seit je her beliebt, weil sie Zeitgeist, schwarzen Humor und die Leichtigkeit des Seins ausdrücken. Auf der anderen Seite sind die Briten sehr traditionell. In den sechziger und achtziger Jahren entstanden unter dem Einfluß der Beatära und des wachsenden Aufbegehrens der Jugend zahlreiche skurrile Filme.

Cover der neuen DVD (C) MGM 2004
Trommler-Fell und Keule statt
Drumsticks? © MGM

Die neuen DVD-Releases lassen insbesondere die Beatlesfans aufhorchen, weil zwei mit schauspielerischer Beteiligung und ein Streifen unter der Regie von Richard Lester, der gerade Help abgedreht hatte, entstanden. Lösen wir uns in der Rezension sehr schnell von der "beatlischen" Klammer. Die Filme nehmen keinen nennenswerten Bezug zu den Fab Four. Noch nicht einmal die Filmmusik stammt aus der gemeinsamen Feder. Allenfalls "Caveman" (alias Ringo) entdeckt mit seinem Clan den Zauber handgemachter Musik. Der Ex-Beatle gibt in seiner Rolle des "Atouk", der auszieht, um das Herz einer holden Vorzeit-Lady zu erobern, eine respektable schauspielerische Leistung ab.

John Lennon hingegen enttäuscht als Nebendarsteller nahezu auf ganzer Linie - in einer ansonsten äußerst gelungenen Satire auf "Antikriegsfilm"-Filme. Mal werden ihm Anspielungen auf sein wahres Leben als Künstler in den Mund gelegt - mal stelzt er tumb durch die Szenerie. Hätte ein Max Miller die Rolle des "Musketeers Gripweed" gespielt, der Credit auf ihn wäre unter ferner Liefen aufgeführt. Wohlgemerkt, es ist nicht John, der den Krieg gewann. Die spannende Frage ist somit die, ob die Zugkraft dieser Filme auch ohne Mitwirkung aus dem Dunstkreis der Beatles ausreichend wäre?

Ich plädiere für Ja!

"Caveman" ist eine kurzweilige Persiflage auf Vorzeitfilme, wie sie seit Anfang der achtziger Jahre mal unheimlich hip waren. Der Film verzichtet auf die großen Gesten und Monsterschlachten, die seinesgleichen Genre prägen. Das Storyboard lebt von großen Zufällen und kleinen wirkungsvollen Erkenntnissen. Ringo will das Herz einer Höhlen-Lady erobern. Bei dem Versuch, sich den Fängen des eifersüchtigen Clanchefs zu entziehen, entdeckt Atouk alias Ringo das Feuer sowie den aufrechten Gang und erfindet allerlei Nützliches. Die DVD "Caveman" ist ein traumhaftes Wiedersehen mit kruden Dinos, einer bezaubernden Barbara Bach und einem mit viel Spielwitz agierenden Ringo Starr.

Bei "Wie ich den Krieg gewann" bleibt einem das Lachen förmlich im Halse stecken. Während andere (Anti-)Kriegsfilme wie "Der längste Tag" nur am Spiel Sieger-Besiegte ausgerichtet sind, greift Regisseur Lester mit "Wie ich den krieg gewann" die These auf, daß Krieg irrational ist und daß dieser auch für den vemeintlichen Sieger zu keinem guten Ende führt. Verlierer eines Krieges sind die Opfer auf beiden Seiten. Damit steht dieser Streifen auf einer Stufe mit einem Film wie "Im Westen nichts Neues". Lesters Erzählweise ist jedoch einmalig in Hinblick auf Stil und Sprache sie führt den Krieg auch mental ins Absurde.

Der "gewisse Kniff" beeindruckt durch seine unheimlich temporeichen und hormongesteuerten Dialoge (der zumeist männlichen Hautpdarsteller). Dieser Plot ist geradezu typisch für entsprechende Genrefilme aus der zweiten Hälfte der sechziger Jahre. Die Jugend befindet sich im Widerpart mit den traditionellen Ansichten der Erwachsenen. Unterstrichen wird dieser seinerzeit modernistische Ansatz von der Filmkulisse des "Swingign Londons". Eigene Jugenderinnerungen werden wachgerüttelt. Heute wirkt die Story jedoch leicht angestaubt. Aber es ist wie mit alten Bekannten. Man amüsiert sich nach wie vor und ist voller Freude, sich nach langer Zeit wiedergesehen zu haben.

Im Fazit bleibt festzuhalten, daß die DVD-Charts klar von aktuellen Blockbustern dominiert werden, die schon Millionen zuvor in die Kinopaläste gelockt haben. Mit dem Britcom-Paket holt man sich hingegen die absolute Programmkinoatmosphäre in das heimische Wohnzimmer und das jeweils zu einem Preis, der etwas über dem einer Kinoeintrittskarte liegt. Fab-Four-Fans, die ihre Memorabilia-Sammlung ergänzen wollen, werden zudem reichlich mit nahezu "Beatles-freier" Kurzweil belohnt.

Technisch gesehen bieten die einzelnen DVD-Veröffentlichungen die Filme pur - es gibt keine Extras. Der Sound ist mono, aber dennoch klar und voluminös. Die Bildauflösung ist gut.