Michael Moore: Volle Deckung, Mr. Bush
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"Manchmal baue ich auch Mist"

Filmemacher und Buchautor Moore will Bush vom Sockel holen.

Michael Moore: Volle Deckung, Mr. Bush (c)Piper Verlag 2003Während ich vor einigen Wochen die Informationen und Nachrichten zum Beatles-FAB-Jubiläum in den USA recherchierte, stieß ich auf einen Bericht1 über die Kinovorführung von "First U.S. Visit" an der University of Southern California, der auch der Regisseur des Films, Albert Maysles, beiwohnte. In einer anschließenden Fragerunde krtisierte der Gast die Arbeiten des Oscar-dekorierten Filmemachers Michael Moores deshalb, weil er - Maysles - es vorzieht hinter der Kamera zu bleiben, statt sich davor zu produzieren.

Handwerklich mag der Altmeister vielleicht recht haben, doch es gilt auch den Zweck des Films in Betracht zu ziehen. In "First Visit" sind die Protagonisten junge aufstrebende Popstars, die im Begriff sind, Amerika zu erobern. Michael Moores Streifen "Bowling for Columbine" hingegen sieht sich der Waffenobsession eines Volkes gegenüber. Hier müssen Meinungen protegiert werden - Moore ist ihr Anwalt. Der Regisseur, Fernsehmoderator und Schriftsteller ist weltbekannt für sein beherztes Engagement, das amerikanische Volk nicht wie ein Haufen Trottel dastehen zu lassen. Sein Credo lautet verkürzt: Amerika ist nicht Bush! Die Bekämpfung des von Lügen und Intrigen getragenen Machtapparates in Washington mit George W. Bush an deren Spitze hat sich Moore auf die Fahnen geschrieben.

Sein neuestes Buch "Volle Deckung, Mr. Bush" ist Ende letzten Jahres rechtzeitig zum Auftakt des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes erschienen und rechnet gnadenlos mit der Ära Bush ab. Aus Fakten zählt Moore eins und eins zusammen und macht sich seinen Reim auf die Maßnahmen der Regierung infolge des 11. September. Doch eigentlich stellt "Amerikas letzter Rebell" (Moore über Moore) nur peinliche Frage - die Antworten bleiben leider diffus: Wo sind die Massenvernichtungswaffen, die der Anlaß für den Irak-Krieg waren? Ging es Ihnen, Mr. President, wirklich um die Freiheit des irakischen Volkes oder ums Öl? Warum durften Mitglieder der Familie bin Laden unmittelbar nach "9/11" so mirnichtsdirnichts das Land verlassen? Und warum profitieren nur die Reichen von der "schönen" Steuerpolitik? Alles klar? Doch, warum ist George W. überhaupt noch im Amt. Andere Präsidenten hätte man liebendgerne seinerzeit allein wegen ihrer sexuellen Präferenzen aus dem "Oral Office" gejagt. Nur ein Regimewechsel, so Moore, könne den Untergang der Demokratie in Amerika noch aufhalten. Moore bildet die Speerspitze und schreckt auch nicht davor zurück, Gegenkandidaten zu Bush persönlich und finanziell zu unterstützen.

Moores Attacken auf den amtierenden Präsidenten sind gnadenlos und böse. Ok, Moore kehrt die Fakten nicht mit feinen Borsten zusammen - seine Argumentation ist die eines Rechens. Das Grobe kommt zusammen, die Feinheiten und das politische Parkettspiel bleiben liegen. Doch es gelingt dem Autor, zur verbalen Breitseite auszuholen - die "volle Deckung" für Bush ist faktisch nicht mehr möglich. Moores letzte Hoffnung bei dem Versuch, das Denkmal vom Sockel zu holen, ist die amerikanische Bevölkerung. In brillanter Manier macht der Autor begreifbar, was in den Hinterzimmern der Macht abgeht und wie die Bürger "beschissen" werden - wenn das nicht ausreicht um den Texaner abzustrafen, was dann?

In den USA und auch in Deutschland eroberte "Volle Deckung, Mr. Bush (Dude, Where's My Country?)" im Nu die Bestsellerlisten. Das Buch ist - ich wage es für ein Werk dieses Genres kaum zu sagen - unterhaltsam und spannend. Selbst Gott, für den die Wahl Bush zum Präsendenten nicht geplant war, meint lakonisch: "Manchmal baue ich auch Mist." Doch die eigentliche Enthüllung liefert aber nicht Moore sondern Bush selber, in dem er den schier endlosen und unglaublichen Vorwürfen nichts entgegen setzt.

Der Autor

Michael Moore, geboren 1954 in Flint/Michigan USA, arbeitet als Regisseur, Fernsehmoderator und Schriftsteller. Berühmt wurde er durch seine Dokumentarfilme "Roger & Me" und "Bowling for Columbine", der 2003 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Sein Buch "Querschüsse" eroberte ebenso wie "Stupid White Men" die internationalen Bestsellerlisten.

Weitere Hinweise zum Buch

Offizielle Informationen zum Buch gibt es beim Piper-Verlag sowie auf der Homepage des Autors Michael Moore.

Bibliographische Angaben:
Michael Moore
Volle Deckung, Mr. Bush - Dude, where is my country?
aus dem Amerikanischen von Michael Bayer, Helmut Dierlamm, Thomas Pfeiffer, Heike Schlatterer
Broschiert - 320 Seiten
Piper Verlag
Erscheinungsdatum: 14. November 2003
ISBN: 3492046142
Preis: 12,90 Euro (D)


(C) by German BEAT!, 8. März 2004.

Fußnote:
1Quelle: SONIA SIFUENTES: "Beatles still create craze" (Alter Link: "http://www.dailytrojan.com/article.do?issue=/V151/N14&id=01-beat.14d.html")