The Rubber Soul Project
[CD, DVD in USA/Release: 08.04.2008]
Balkanbeatles reloaded
Frankfurt am Main (gbip/31.05.2008) - Wir freuen uns, dass wir für die Besprechung der CD- und DVD-Veröffentlichungen zum "The Rubber Soul Project" den Balkanbeat-Experten und Autor Stefan Pürner gewinnen konnten. Wir danken Stefan für sein dezidiertes zweiteiliges Essay "Sänger des verlorenen Schatzes". Wir finden im Übrigen, dass auch der "geklonte" John ganz authentisch klingt.
Apropo, geklont ... Auch Stefan Pürner hat übrigens eine Neigung dazu, die Beatles wieder zum Leben zu erwecken. Über seine diesbezüglichen musikalischen Versuche sollen wir jedoch lieber schweigen, meint der gebürtige Franke. Immerhin gilt er bei Eingeweihten als "der schlechteste Rockgitarrist der Welt". Literarisch ist ihm diese Wiedererweckung jedoch mit dem Kurzgeschichtenband "Sgt. Pepper Live" (I.P.-Verlag, Berlin), in dem er eine fiktive Reunion der Beatle im Jahre 2007 beschreibt, mehr als gelungen. Kein Wunder, schließlich hatte er geübt: In seinem Vorgängerbuch "Geklont" (Celero-Verlag) hat er nämlich schon mal versuchsweise das Gehirn des verstorbenen Ex-Beatles George Harrison - und damit dessen musikalische Kreativität - digital gespeichert um es der Nachwelt zu erhalten. Im selben Buch hat Pürner, der hauptberuflich juristischer Balkanspezialist ist und als Projektleiter bei der Deutschen Stiftung für internationale rechtliche Zusammenarbeit in Bonn arbeitet, auch das "Rubbber Soul Project" als einer der ersten deutschen Autoren vorgestellt. Von Pürners Kenntnissen des Balkanrock kann man sich auch an anderer Stelle: Nämlich mit seinem Essay "Brüderlichkeit, Einheit und Goldene Akkkorde", hier auf der German BEAT!.
Sänger des verlorenen Schatzes (Teil 1)
Das "Rubber Soul Project" erweckt die Beatles und deren "verschollene Songs" (beinahe) wieder zum Leben
von Stefan Pürner

Bonn (gbip/30.05.2008) - Von wegen: "The dream is over, but it will never be forgotten". Die Beatles sind noch allgegenwärtig. Nicht zuletzt deswegen, weil sie an allen Ecken und Enden kurzerhand wieder zum Leben erweckt werden. Durch Berichte über die Beatles oder Beatles-relevante Jubiläen und Beatles-Musicals, vor allem aber durch musikalische Neuschöpfungen "ganz im Stile der Beatles".
Am wohl am bekanntesten (und am witzigsten) sind hierbei sicher die Rutles mit ihren beiden Alben "Let it Rut" und "Archeology". Mit ihnen haben sie den Beatles ebenso musikalisch wie satirisch ihren Tribut erwiesen.
Besonderes Markenzeichen hierbei war, dass die Rutles eigene Beatlessongs "erfanden". Diese waren so dem Stil der Originale nachempfunden, dass man meinen konnte, sie wären tatsächlich von den Fab Four geschrieben und aufgenommen worden. Erreicht wurde dieser Effekt dadurch, dass man munter im Songmaterial der Beatles wilderte und - bis hart an die Grenze des Plagiats - aus bekannten Melodien, Licks, Riffs und anderen Versatzstücken daraus etwas zusammenbaute, das gleichzeitig neu und irgendwie doch bekannt klang. Ähnlich das Vorgehen bei den Texten. Hier variierte man Themen, die von Beatlessongs her bekannt waren. Aus dem Schmerzenssongs "Help" wurde so "Ouch", aus "Penny Lane" wurde "Doubleback Alley" - "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" mutierte, noch westcoatsmäßiger und sperriger zu "Major Happy's Up And Coming Once Upon A Good Time Band" - Und auch Psychedlisches, Sozialkritisches und Nonsenselyrik der Spätzeit fand ihren Niederschlag in Songs mit tiefschürfenden Titeln wie wie "Piggy in the Middle" oder "Cheese and Onions".
Nun hat eine Platte mit ähnlichem Konzept, die schon vor mehr als zehn Jahren in Belgrad aufgenommen wurde, einen Vertrieb in den USA - und damit über Internetmusikshops einen möglichen Weg in die CD-Schränke hiesiger Beatles-Interessierter - gefunden. Die Rede ist von der CD "Rubber Soul Project" von der gleichnamigen Belgrader Gruppe (die eigentlich gar keine ständige Band ist, sondern eine Ansammlung von Profi- und Hobbymusiker, die sich zusammengetan haben, um dieses Projekt zu realisieren). Musikalisch und bezüglich der Texte "funktioniert" das "Rubber Soul Project" ähnlich wie die Platten der Rutles. Allerdings hat man eine andere "Arbeitshypothese" als Ausgangspunkt gewählt. Bei dem Rutles ging es, vereinfacht gesagt, um respektlose Verarsche durch intelligente Nachahmung bekannter Songs der Beatles. Das "Rubber Soul Project" dagegen hat es sich zur Aufgabe gemacht, unbekannte Songs der Beatles, die bisher den Ohren der Menschheit verborgen blieben, zum Leben zu erwecken. Bei diesen unbekannten Beatlessongs handelt es sich Songs, die nach Informationen von Insidern (oder einfach nur Gerüchten) zufolge von den Beatles geplant waren, aber nie festgestellt wurden, sei es, dass sie nie über das Projektstadium hinauskamen, sei es, dass nach der Aufnahme von Demoversionen nicht mehr an ihnen gearbeitet wurde.
Diese Songs tragen Titel wie "All Together on the Wireless Machine," "Home", "Little Eddie", "Shirley's Wild Accordion", "Colliding Circles", "What's the New Mary Jane?" "Heather", "When I Come to Town", "Bound By Love". "Indian Rope Trick", "Four Nights in Moscow", "Thinking of Linking", "Watching Rainbows" und ("natürlich") "Rubber Soul". Verwirrendes findet sich beim Titel "I Should Like to Give Up a Tree". Dieser hieß nämlich in der mit anderem Cover 1995 in Belgrad erschienenen Erstausgabe noch "I Should Like to Live Up a Tree".
Der Verweis auf die Rubber-Soul-LP-Titel sollte nur als Hilfestellung zur ungefähren zeitlichen Einordnung der vom Rubber-Soul-Project gebotenen "Beatles-Songs" verstanden werden. "Rubber Soul" erschien ja 1965. Tatsächlich finden sich auf der CD Songs, die an den Stil der Beatles auch ein paar Jahre vorher erinnern. "Bound by Love" beispielsweise hätte wohl schon aus der Starclubzeit stammen können. "Home", mit seiner naiven Anfrage, dass Mädchen "tonight" nach Hause zu begleiten, um das dabei "right" zu behandeln, wäre auf der "Please Please me"-LP nicht weiter aufgefallen. "Four Nights in Moscow" dagegen hätte, wie das erst sehr spät auf Platte veröffentlichte, frühe Beatles-Original "One after 909", genauso in die Liverpooler Tage oder die Starclubzeit wie auf die Retro-LP "Get Back" gepasst. Neben diesen "rückwärtsgewandten" Titeln gibt es auch einige, die so klingen, wie spätere Songs der Beatles, einzeln oder zusammen. "Watching Rainbows" etwa hat einen starken Touch der entspannten Atmosphäre von "Double Fantasy", dem letzten Album von John Lennon.
Zumindest in einem Fall haben diese vor mehr als zehn Jahren eingespielten Songs durch die zwischenzeitlichen Ereignisse auch zusätzlich an Witz gewonnen. Der Song "Heather" trägt nicht nur nur den Vornamen der zweiten Ehefrau von Paul McCartney, von der er kürzlich unter äußerst unerquicklichen Begleiterscheinungen geschieden wurde. Er hört sich auch so an als hätte McKa mit diesem Lied dieses auch für ihn nicht unbedingt schmeichelhafte Beziehungsende aufarbeiten wollen: So heißt es dort beispielsweise: "I made a mistake, when I let her take my heart away. I was looking for a girl, fitting to my world, no I don`t now what to do..., Heather, please tell me what to do to forget her". So also klingt es, wenn McKa ein Lied für seinen Scheidungsanwalt schreibt!

Serbien im Jahr 1995 eine auf 200 Stück limitierte
und nummerierte Sonderausgabe. Stolzer Besitzer
des Exemplars Nummer 054 ist, wie dieses Foto
belegt, Autor Stefan Pürner. © Autor.
Alle Songs erinnern von ihrem Stil her stark an Beatlessongs. Jedoch kommt man seltener als bei den Rutles ins Grübbeln, ob es sich nicht doch wirklich um echte Beatlessongs handeln könnte. Was jedoch weniger am Stil der Songs, der Instrumentierung oder der Aufnahmetechnik liegt. Die sind allererste Sahne! Der Knackpunkt sind die Stimmen, die doch nicht ganz an die Originale herankommen. Zumindest bei denjenigen, die den größten Teil ihrer Gymnasiumszeit, nie Hausaufgaben ohne Beatlesplatte im Hintergrund gemacht haben . Teilwiese jedoch gelingt die Illusion fast perfekt. Am ehesten besteht diese Verwechslungsgefahr bei dem Titel "When I come to town", die von Ringo stammen könnte. Hier paßt alles: die nasale Stimme, der Akzent, die Country-Ambiente, das "Hoppla-jetzt-komm-ich" des Textes und das "Don`t pass Me By"-mäßige Schlagzeug. Das Lied könnte tatsächlich ein Outtake vom Weißen Album oder einer der Solo-LPs von Ringo sein.
Der Versuch, eine beatlesque Platte zu machen, ist also gelungen. Die Frage, ob auch der Versuch, unbekannte "verlorene" Beatlessongs zu rekonstruieren, gelungen ist, läßt sich dagegen kaum beantworten. Die "Vorlagen" dazu sind ja verschollen. Wenn es sie denn jemals gegeben hat. In manchen Fällen scheint es nämlich keinen greifbaren Beleg zu geben, dass es jemals Songprojekte der Beatles mit entsprechenden Titeln gab. Zumindest in zwei Fällen ist der Vergleich zwischen verschollenem Original und bewußter Fälschung jedoch möglich. Der Titel "What´s the new Mary Jane" ist nämlich nicht nur ein Phantom. Es existiert nämlich tatsächlich ein Beatlessong gleichen Namens, der auf Bootlegs und auf auf der dritten "Anthology-CD-Box" angehört werden kann. Bei den Fab Four ist das ein eher uninspiriert heruntergeklopfter Song, an dessen Ausführung vorheriger, oder aber auch gleichzeitiger übermäßiger Alkoholgenuß wohl nicht wesentlich hindern. (Ian McacDonald nennt ihn in seinem Songlexikon "musikalisch banal".) Bei dem "Rubber Soul Project" dagegen rockt unter diesem Titel ein beschwingter und liebvoll bis ausgestalteter Rocksong mit prickelndem Piano und verzahnt-detailliertem "Dowapp-Dowapp" im Background daher.
Manchmal ist die Fälschung eben aufwendiger und liebevoller hergestellt und ausgestaltet als das Original!
Ähnlich ist die Situation bei "Bound by Love". Beim "Rubber Soul Project" ist das ein typischer - und "vollwertiger" Beatlessong aus der Zeit um 1964. Bei den Beatles findet sich ein gleichnamiges Lied auf keiner offiziellen Veröffentlichung, aber zum Beispiel auf der Bootleg-CD "1963-69: Twenty never published songs". Manchen Quellen nach sollen sie es bei der Session für die Plattenfirma Decca aufgenommen haben. Wobei unklar bleibt, ob es tatsächlich auch aus der Feder der Beatles oder aber aus der eines Herrn Martin stammt. Dieses, tasächlich von den Beatles aufgenommene "Bound by Love" ist jedoch ein Tanzboden-Leichtgewicht, wie man es von den Beatles, aber eben nicht nur von diesen, aus Starclubzeiten kennt. Ganz nett, aber ohne die übliche Magie der Fab Four. (Vielleicht ist es an der Zeit, Derek Rowe, den Mann, der bei der Decca die Beatles ablehnte, zu rehabilitieren?)
Die CD "Rubber Soul Project" ist ein "Muß" für Beatles-Hard-Core-Fans, die Stunden damit verbringen können, Anspielungen und "Anleihen" musikalischer und textlicher Art zu finden oder über mangelnde Werktreue zu klagen. Aber auch dem nicht-beatles-fixierten Hörer bietet sie einiges. Nicht nur Aha-Effekte, sondern einiges auf der dieser Scheibe kann auch ohne den Beatlesbezug als erstklassige Popmusik mit 60's- Bezug durchgehen. Manches hat sogar Ohrwurmcharakter. Auch, wenn man die CD schon jahrelang im Schrank hat, legt man sie ab und an gerne wieder auf.
Über die Entstehung des Albums wurde auch ein Dokumentarfim gedreht, der international Beachtung fand. Auch dieser ist mittlerweile, zumindest über den Import, auf DVD auch in Deutschland erhältlich. Dazu demnächst mehr an selber Stelle.
Sänger des verlorenen Schatzes (Teil 2)
Der Dokumentarfilm "The Rubber Soul Project" von Dinko Tucakovic zeigt wie die "lost Beatlessongs" rekonstruiert wurden
von Stefan Pürner

Bonn (gbip/31.05.2008) - Über die Entstehung der CD "Rubber Soul Project" der gleichnamigen Belgrader Band ist auch eine Filmdokumentation erschienen, die nun (als US-Import) auf DVD erhältlich ist.
Erzählt wird, wie Rastko Ciric, im Hauptberuf Kunstprofessor, Illustrator, Graphiker und Multimedia-Künstler in Belgrad, 1993 auf die Idee kam, fünfzehn unveröffentlicht gebliebene Beatlessongs, von denen er gelesen hatte, zu "rekonstruieren", also neu zu erfinden und aufzunehmen. Unterstützt wurde er dabei insbesondere von Goran Skrobonja, im Hauptberuf Horror-Autor, der die Texte zu den Songs schrieb. Später gesellten sich noch drei professionelle Musiker zu dem Projekt, nämlich Neboja Ignjatovic, Musikprofessor in Belgrad und Miroslav Cvetkovic, Bassist bei "Bajaga & Instruktori" (seit mehr als zwei Jahrzehnten eine der führenden serbischen Poprockgruppen, mehr zu der Gruppe findet sich bei Wikipedia hier und hier) und dessen Bandkollege der Schlagzeuger Cedormir Macura.
Die DVD besteht aus zwei Teilen, nämlich aus der eigentlichen Dokumentation über die Suche nach den (angeblich) verlorenen Beatlessongs und einem Bonusteil mit Videos zu den Songs "Four Nights in Moscow", "Colliding Circles", "Rubber Soul" und "All together in a wireless Machine". Auch die Dokumentation selbst besteht wiederum aus zwei Teilen: Zum einen gibt es da einem realen Teil, in dem der Weg von der Idee, die "verlorenen Beatlessongs" zu rekonstruieren über die mühsame Umsetzung bis hin zum Erscheinen der CD dokumentiert wird. Zum anderen gibt es einen fiktiven Teil, in dem beispielsweise beschrieben wird, wie Rastko Ciric, versucht, mit Hilfe eines Hypnotiseurs diese Lieder in seinem Unterbewußtsein zu finden. Weiter wird geschildert, wie ihm Paul McCartney erscheint und ihm durch die Blume zu verstehen gibt, dass die Nachdichtungen von Ciric nie das Niveau von McCartney`s Songs erreichen werden.
In diesem fiktiven Teil werden alle Register der Beatles-Ikonographie gezogen: Von der Zeichentrickästhetik à la "Yellow Submarine" über schwarz-weiß Bleistift-Zeichnungen im Stile des Covers der "Revolver"-LP bis hin zu Klamaukszenen, die an die "unnachahmliche" Magical Myster Tour erinnern, ist alles dabei. Auch Zitate aus der allgemeinen Filmgeschichte fehlen nicht. In einer der vielen Schwarz-weiß-Sequenzen beispielsweise erzählt Goran Skrobonja unter der Dusche über die Entstehung des "Rubber Soul Projects"-Albums. Dazwischen montiert sind - ähnlich wie im Film "Tote tragen keine Karos" - Szenen aus einem anderen Film. Nämlich von einer Frau, die ebenfalls unter der Dusche steht: die berühmte Mordszene aus Psycho, bei der Marion Cranes (Janet Leighs) ihr Leben lassen muß. Eine pfiffige Idee, die auf Skrobonjas Hauptberuf anspielt, gleichzeitig aber der Dokumentation zusätzliche Spannung gibt.

enthält eine Beatlesaufnahme des Songs "Bound By Love". Foto: Autor.
Abgerundet werden diese und andere filmische Einfälle im "Realo-Teil" mit Filmaufnahmen im Tonstudio, die der Beatles-eigenen Dokumentation "Let it Be" ihre Referenz erweisen. Reminiszensen an den Zeitgeist der 60-er finden sich, außer in den Bildern des Films, auch in den Interviews und den kommentierenden Texten. Dabei darf auch Bedeutungsschwangeres und psychedelisch Anmutendes nicht fehlen.
Kostprobe gefällig ? Ok, aber nur auf eigenes Risiko:
"Dass zwischen Träumen und Kunstwerken Ähnlichkeiten bestehen," heißt es an einer Stelle aus dem Off, "zeigt die Auffassung von Jung (gemeint ist der Psychoanalytiker C.G. Jung), der den Traum mit einem Theater vergleicht, in dem der Träumer alles ist: der Regisseur, der Schauspieler und das Publikum. Alle Elemente des Traums stellen eine Personifizierung der Persönlichkeit des Träumers dar."
Verstanden? Na klar! Schließlich sind das auch nur Worte, die wie ein endloser Regen aus einem Pappbecher fliegen ...
Viel zu entdecken und zu deuten also für Beatlesologen, Cineasten und sonstige Kryptologen ...
Denjenigen, denen solche Dinge zu abgedreht sind, bietet der Film auch ausreichend "Handfestes". Ausführlich behandelt wird zum Beispiel die Frage, welche Qualitäten ein Studio haben muß, um darin "Original-Beatlessongs" aufzunehmen zu können. Oder über das erforderliche "Handwerkszeug". Von Ludwig-Schlagzeugen ist hier die Rede. Aber natürlich auch vom Höfner-Bass, der - wie der Autor dieser Zeilen besonders hervorheben möchte - einen wesentlicher Beitrag Frankens zur Rockgeschichte darstellt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Schwierigkeit, die sich bei der Auswahl der jeweils richtigen Sänger und beim Finden des jeweilis richtigen gesanglichen Beatles-Stils stellten. Dabei erfährt man auch für manchen Beatlesfans sicher ärgerliche Dinge. So etwas die Meinung von Cedormir Macura, dem Schlagzeuger des "Rubber Soul Projects", der Ringo für einen nicht eben herausragenden Schlagzeuger hält. (Originalzitat ais der Dokumentation: "Als Jugendlicher habe ich vor allem Bands mit guten Schlagzeugern gehört. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht so viele Beatlesplatten gehört habe." Das sehen sicher manche Besucher der German BEAT!-Webseite anders.
Unterbrochen werden die fiktiven und realen dokumentarischen Sequenzen von Ausschnitten aus den Songs des Albums und kurz angespielten Beatles-Coverversionen.
Insgesamt wird so die zirka 50 minütige Dokumentation zu einer kurzweiligen Angelegenheit, obwohl die meisten Zuschauer sich auf die englischen Untertitel konzentrieren müssen. Deutsche Untertitel gibt es leider nicht. Und der O-Ton, also die Muttersprache der Musiker, ist Serbisch. Obwohl eine der häufigsten Redewendungen in dieser Sprache "Nema problema" ist, dürfte es für die meisten Leser dieser Zeilen nicht gerade die Sprache ihrer Wahl sein. Die englischen Untertitel verwirren allerdings mitunter etwas, weil sich dort statt Apostrophen Dollarzeichen finden. Hier hat wohl irgendein Computerprogramm einen Streich gespielt.
Keinerlei Sprachkenntnisse sind dagegen erforderlich, um die Bonusvideos, die teilweise mit Kunstpreisen ausgezeichnet wurden, zu genießen. Diese beginnen, quasi in zeitlicher Reihenfolge, mit "Four Nights in Moscow", das im Schwarz-Weiß-Stil der Entstehungszeit von "A Hard days Night " gehalten ist und die vier Belgrader Ersatzbeatles in Scherenschnittmanier zeigt. Auch vom Stil her ist es deutlich bei den Beatles der ersten Hälfte der 60-er angesiedelt.
Zeitlich später setzt "Colliding Circles" an: Das Lied hat etwas von den relaxten nachgelassene Lennonsongs à la "Free as a Bird". Passend dazu die optische Umsetzung, bei der in einem surrealen Umfeld Gegenstände tanzen und kaleidoskopartige Farbspiele ineinander verschmelzen.
Im Mittelpunkt des Videos zur Wiederauferstehung des angeblich verschollenen Beatles Originals "Rubber Soul" steht ein virtuelles Stonehenge, in dem die Musiker, teils in echt, teils als Computeranimationen, spielen. Warum man ausgerechnet Stonehenge genommen hat, wird im Dokumentarfilm erläutert. Trotzdem: Einige Teile der optischen Umsetzung passen wenig zu den Beatles, sondern eher zu der sterilen Welt der Cover der Designerschmiede "von Hypgnosis (die unter anderem Cover für Pink Floyd und Wishbone Ash entworfen hat).
Ganz Beatles-Corporate-Identity ist dann wieder der Clip zu "All together in a wirelsse machnie", das geradewegs aus dem Skizzenblock der Zeichnertruppe, die für den Yellow Submarine-Film verantwortlich zeichnete, stammen könnte. Auch musikalisch würde dieser Song gut in diese Phase der Beatles passen.
Diese, zugegeben kurze DVD ist nicht nur etwas für Beatlesologen und -komplettisten, die alles haben müssen, was irgendwie mit den Beatles zu tun hat. Auch allen, die Stunden damit zubringen können, die Andeutungen und Persiflagen bei den Rutles zu dechiffrieren und zu kommentieren oder sich an den deutschen Beatles-Versionen von Klaus Beyer nicht satt hören können, dürfte sie eine kurzweilige Zeit bereiten. Aber auch Filmfreunde generell dürften ihren Spaß an der Dokumentation haben. Schließlich enthält sie eine Vielzahl von Einfällen, wie man eine Reportage nicht nur interessant machen kann, sondern auch gleichzeitig noch den Zeitgeist und die Atmosphäre einer vergangenen Epoche einfangen kann.
Nebenbei ist die Dokumentation auch ein, für viele sicher überraschender Film über Serbien. Über ein anderes Serbien, als das man im Ausland kaum kennt. Dies nicht nur deshalb, weil der Film in kurzen Schlaglichtern und eher beiläufig die Zeit der Milosevic-Diktatur in den 90-ern und das NATO-Bombardement am Ende des selben Jahrzehnts aus der Sicht der Bewohner des Landes in Erinnerung ruft. Sondern weil er deutlich macht, dass Serbien ein kreatives Potential hat, dass viele nach den Ereignissen des letzten Jahrzehnts dort nicht vermuten würden. dass es in Serbien durchaus auch Dinge gibt, die wenig in das Bild passen, das sich manche von diesem Land gemacht haben, zeigte ja schon die Tatsache, dass das Land 2007 mit dem Lied einer offen lesbischen Sängerin den Grand Prix Eurovision gewann. Diese DVD ist ein weiterer Beleg dafür. Und sie macht Lust darauf, noch mehr über die Musikszene in diesem Land zu erfahren. Wer sich die Mühe macht, wird noch auf manche Überraschung stoßen, Von interessanten Coverversionen westlicher Rockgruppen durch Bands mit wohlklingenden Namen wie "Elektricni Orgazam" über einen Wahnsinngitarristen mit dem merkwürdigen Künstlernamen "Autoreifen" ("Tocak") bis hin zu Eddy Grant, früher bei den Equals, als Gastsänger auf einem lokalen Monsterhit reicht hier die Palette.
Aber dies ist eine andere Geschichte. Wer dagegen mehr über das "Rubber Soul Project" erfahren will, dem kann sofort geholfen werden: Mehr hierzu findet sich bei Wikipedia (in englischer Sprache). Das Video zu "Colliding Circles" kann man als Appetithappen bei Google-Video ansehen. Und wer mehr über die künstlerischen Arbeiten der Mastermind Rastko Ciric erfahren möchte, sollte seine Webseite besuchen. Ein englisches Interview mit dem Goran Skrobonja findet sich irgendwo im Netz. Außer CD und DVD gibt es als weiteren Teil des "Rubber Soul Projects" auch eine Kurzgeschichte von Goran Skrobonja mit dem Titel "Rubber Soul". Diese kann man in englischer Übersetzung auf der Homepage von Rastko Ciric lesen oder herunterladen.
Und wer Lust bekommen sollte, von "Rubber Soul Project" außer dem gleichnamigen Album noch mehr zu hören, kann hoffen. In der Dokumentation wird nämlich berichtet, dass Nachfolgesongs schon geschrieben sind. Diese versuchen zu zeigen, wie die Beatles wohl in späteren Jahren geklungen hätten, wenn sie sich nicht aufgelöst hätten. Die Songs sind fertig, alleine es fehlt noch das Geld dafür, sie aufzunehmen. Möglicherweise ändert sich das ja jetzt, wo die CD und die DVD auch außerhalb Serbiens erhältlich sind.
Beatles - Geklont
Frankfurt (gbip/08.04.2008) - Über das folgende Projekt berichtete bereits Autor Stefan Pürner in seinem 2006 erschienenen Kurzgeschichtenband "Geklont" (ausgezeichnet mit unserem virtuellen Redaktionspreis "German BEAT! M.B.E.") sowie in seinem bei uns "abgedruckten" Essay über den Balkanbeat: Das Rubber Soul Projekt. Ein Projekt, bei dem Belgrader Musiker verschollene Beatlessongs "nacherfunden" haben - quasi eine Art "Rekonstruktion eines imaginären Beatlesalbums". Über dieses Vorhaben gibt es einen 1994 gedrehten Dokumentarfilm, der internationale Anerkennung fand.
Heute erschienen in den USA beim Label "Loud Folk" die CD "The Rubber Soul Project" sowie die gleichnamige DVD. In ihrer Rezension schreiben die Kollegen von Allmusic Guide Folgendes:
"Das 'Rubber Soul Project' verfolgt einen interessanten Ansatz: Man nehme die Titelzeilen von eineinhalb Dutzend unveröffentlichter Beatleslieder und versuche basierend darauf beatlesque Kompositionen zu entwickeln. Die beiden Musiker Rastko Ciric und Goran Skrobonja behaupten: 'Niemand hat diese verschollenen Stücke jemals gehört und so kam uns die Idee, diese Sachen für uns zu rekonstruieren. Wir hatten einiges über die Songs gelesen, so dass wir erpicht darauf waren diese zu hören ...' Nun einiges scheint trotzdem bekannt zu sein ... Die Musik und die Produktion sind ganz anständig, die Harmonien klingen sehr überzeugend ... Aber ein Projekt wie dieses zeigt auch, welch großartige Songschreiber die Beatles waren ... keiner der Titel kommt dem Beatlesmaterial gleich. Sie taten einen respektablen Job ..."
Ken Onstad, Chef der Vertriebsfirma ACMediaonline, erzählte uns am Telefon, dass es die CD und die DVD derzeit nur in den Staaten gäbe. Liebendgerne würde man es auch in Europa vermarkten, aber derzeit sehe er diesbezüglich keine Möglichkeit. Nun über Amazon.com, meinte Ken, wäre es auch jedem hier bei uns möglich, die beiden Veröffentlichungen zu bestellen.
Weitere Infos mit Credits siehe bei der Vertriebsfirma ACMediaonline oder bei Wikipedia.
Die Webseite des Komponisten Rastko Ciric bietet außerdem Hörbeispiele des Albums. Inwieweit diese Aufnahmen mit dem heute erschienenen Album übereinstimmen, können wir zur Zeit noch nicht sagen.
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