Let It Be!?

Frankfurt/Main (gbip/17.06.2005) - Beatles-Songs gehören mithin zu den am meisten gecoverten Stücken überhaupt - ein Ende ist nicht abzusehen. Eine schier nicht zu überschauende Armada von Neuveröffentlichungen erreicht die Ladenregale und eShops. Umso mehr freut es uns, auf einige wenige dieses Genres aufmerksam zu werden. Doch jedes Mal beschleicht dem Rezensenten das Gefühl - kann das gut gehen, gibt es etwas Besseres als die Originale - sollten es die Künstler in Anlehung des Beatles-Titels "Let It Be" nicht einfach sein lassen?

Im letzten Jahr waren zwei Cover-Kostbarkeiten auf dem Markt, wo wir direkt dankbar sind, daß sie veröffentlicht wurden: "Chantal meets Tony Sheridan" sowie "Concert for George" (November 2003). Nun erreichten zwei weitere Coverkonvolute unsere Redaktionsräume:

  • Various Artist: Lain Fabular - Ils Beatles Per Rumantsch [Update!!!]
  • Various Artist: Beatles ReGrooved
  • Martial Martinay: Electric Sound Orchestra meets the Beatles

Und schon wieder beschleicht dem Rezensenten dieses eigenartige Gefühl.

Various Artists: Lain Fabular - Ils Beatles Per Rumantsch
[Do-CD in CH, VÖ: 13.05.2005]

Artwork von Lain Fabular (C) lainfabular.ch 2005
"Lain Fabular"-Artwork © lainfabular.ch

Frankfurt/Main (gbip/17.06.2005) - "Salida tes amis da Beatles", so lautet unser Gruß in Bündner Romanisch (Rumantsch Grischun). Und diese Begrüßung erscheint uns vor dem Hintergrund der kürzlichen Veröffentlichung des gewagten Coverprojektes "Lain Fabular" aus der Schweiz gar nicht mal so abwegig. 27 aus "gutem Holz geschnitzte" (eben "lain fabular") Beatles-Melodien mußten für diese Produktion herhalten. Die englischen Texte wurden in diese uralte Kultursprache übersetzt. Ziel war es, eine Musik von der rauen Waterkant einer nordenglischen Hafenstadt mit dem Idiom eines Bergvolkes in einer Symbiose neu auferstehen zu lassen. Es hat durchaus den Anschein, daß die Wortklänge schmerzfrei mit den Kompositionen harmonisieren. Für ein deutsches Ohr ist das Rumantsch dem Italienischen nicht ganz ungleich.

Musikalisch gesehen, hielten sich die Künstler dabei bisweilen werkgetreu an die Originale und bewegten sich damit auf zum Teil sehr hohem Niveau. Aber irgendwie erscheint es doch so, als habe man eine Palme auf die Anhöhen des Matterhorns verpflanzt. Also - warum ausgerechnet Beatles?! Für diese Art von Paradigmenwechsel ist speziell die Musik der Liverpooler Band oft nicht geeignet. Die Faszination der Fab Four geht von ihren Kompositionen wie auch von ihren ureigenen Interpretationen aus. So konnten relativ schlichte Plots, wie "All You Need Is Love", oder "Why Don't We Do It In The Road" nur aufgrund der überragenden Interpretationen zu wahren Klassikern reifen. Die entsprechenden Coverversion der Gruppe Stop The Shoppers oder dem Duo Liebestoll zeigen leider mehr als deutlich diese Hürden für das ambitionierte Vorhaben "Lain Fabular". Trotzdem der Hörer spürt, es steckt 'ne ganze Menge Herzblut drin - aber die Fab Four sind ein Schwergewicht - Vorsicht! Einsturzgefahr.

Löst man sich von den Beatles und lauscht den exzellenten Musikerinnen und Musikern, so kommen wir zu einem recht versöhnlichen Fazit: Die Vielfalt der musikalischen Stile ansich ist beeindruckend. Eine eigene Werkschau der Mitwirkenden verliehe dem Vorhaben die Einzigartigkeit. Doch ungeachtet der "little help from our friends" ist "Lain Fabular" sicher eine ganz ansprechende Werbung für eine seltene Kultursprache. Anspieltipps: Curschellas, Henrix & Stern mit "Cu Ch'I Plova" ("Rain"), Michel Decurtins & Silke Schmeing mit "Damaun Mai Na Sa" ("Tomorrow Never Knows") oder Marco Zappa mit "I Dat Sulegl" ("Here Comes The Sun").

Bezug und Trackliste

"Lain Fabular" erschien am 13. Mai in der Schweiz bei Sound Service. Die Bestellmöglichkeiten und weitere Informationen zu den Songs und zu den Künstlern findet man vor allem auf der Webseite des Projektes "Lain Fabular".

Trackliste: siehe www.lainfabular.ch

Weitere Links zum Album:

Various: Beatles ReGrooved
[CD in USA, VÖ: 07.06.2005]

CD-Cover von Beatles ReGrooved (C) KOCH Records 2005
CD-Cover © Koch Records

Frankfurt/Main (gbip/09.05.2005) - ReGrooved entstammt der Idee, musikalisches Allgemeingut, wie Klassik oder eben auch die Beatles, in die Sphären der Chill Out Music zu transponieren. Junge amerikanische Elektronic Nerks wurden an ihre Keyboards gebeten, um den überwiegend üblichen Verdächtigen wie "Hey Jude" und "Let it Be" Klangbits unterzujubeln, wie es sie zu Zeiten der Fab Four noch nicht einmal gegeben hat. Daneben bewies man hinreichend Geschmack bei der nicht so offensichtlichen Auswahl von "Two Of Us", "Because" oder "I Want You". Bei "Beatles ReGrooved" handelt es sich nicht Instrumentals - junge und bisweilen weibliche Stimmen verleihen dem Material eine Patina, wie sie in entsprechendem Lounge-Ambiente üblich sind.

Die Produzenten stellten auf diese Art und Weise 14 Songs zusammen. Unter den rund ein dutzend Interpreten finden sich Namen wie Skylab2000, Eros, Mystiquintet oder Jay Atwood. Deren Vorläufer-Compilation "Classics ReGrooved" schnellte weiland unmittelbar an die Spitze der amerikanischen "iTunes Music Store Electronic Charts". Ob mit diesem Album ebenfalls eine Nummer Eins gelingt, bleibt zu wünschen, aber auch abzuwarten. Die Plattenfirma KOCH Records sucht die Käufer unter den Electronic- wie auch angestammten Beatles-Fans.

Die Platte klingt nicht kitschig - den Songs wird ein anderes Leben eingehaucht und so einen neuen Sinn gegeben. Der Versuch ist rühmlich. Das Material steht in weitem Abstand zu den Originalen. Ein Vergleich ist so gut wie gar nicht möglich. Reinen Beatles-Fans wird sich vermutlich kein Chill-Out-Erlebnis einstellen. Angesichts dessen stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Beatles? Offensichtlich bilden die alten Liverpooler Haudegen gerade für die jungen Künstler eine willkommene Plattform, sich einem breiteren Publikum zu öffnen. Doch andere Ansätze in diesem Musikgenre - wie die Mixed Tapes von Mercedes-Benz - zeigen, daß das wesentlich innovativer erreicht werden kann. Selbst McCartney Ausflüge in die Welt von Loops und Beats klingen abgedrehter, ist aber - zugegeben - keine ausgesprochene Musik zum Abspannen und Loungen.

Im Fazit heißt das: Man muß Chill-Out-Musik einfach lieben, um sich "ReGrooved" bedenkenlos anvertrauen zu können. Das Album bietet einige elektronische Kleinode, wie das synthetisch schwere "Tomorrow Never Knows", die endlosen Weiten eines "Because" oder das Brachiale eines "I Want You".

Bezug und Trackliste

"Beatles ReGrooved" erscheint am 7. Juni in den USA bei KOCH Records. Ob die Compilation auch bei uns im deutschsprachigen Raum erhältlich sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

1. Two of Us - SKYLAB2000
2. Blackbird - EROS
3. Eleanor Rigby - MYSTIQUINTET
4. Tomorrow Never Knows - JAY ATWOOD & SUSAN MACCORKLE
5. Something - JOHN SELWAY
6. Lucy In The Sky With Diamonds - JOEY JAIME
7. Hey Jude - CHOKOCHEEKY
8. While My Guitar Gently Weeps - THE NATURAL
9. Strawberry Fields - SIGNS
10. Let It Be - EROS
11. Because - MYSTIQUINTET
12. I Want You (She's So Heavy) - JETTE-IVES
13. Come Together - AZADE ABI & HOLMES IVES
14. Across The Universe - MORPHO EUGENIA & JOHN SELWAY

Martial Martinay: Electric Sound Orchestra
meets the Beatles [CD, VÖ: April 2005]

CD-Cover von Electronic Sound Orchestra meets the Beatles (C) Magic Records 2005
CD-Cover © Magic Records

Frankfurt/Main (gbip/09.05.2005) - Bei diesem Album merkt man, hier hat sich jemand 'reingekniet, der die Beatles extrem mag. Martial Martinay - ein französischer Vollblutmusiker - zog sich während des Jahres 2004 in sein Heimstudio zurück, um seine Lieblingssongs der Fab Four als Instrumentals aufzunehmen. "Als ich jeden dieser Songs Note für Note analysierte, stellte ich fest, wie unendlich groß das Talent der Beatles und George Martins war", so bewertet Martinay seine Songsauswahl. Der Künstler spielt alle Instrumente selber - von der Baßgitarre über Keyboard bis zu den Drums. Ein Instrument ist ihm dabie besonders ans Herz gewachsen, eine zwölf-saitige Rickenbacker Gitarre, mit der er vornehmlich die Stimmen und Harmonien von John, Paul und George nachempfunden hat. Martial gibt sich überzeugt: "Ich denke, würden die Beatles den Wunsch gehabt hätten, Instrumentalversionen ihrer Stücke aufzunehmen, sie würden es im Geiste (meines) Albums getan haben."

Der Franzose ist auf dem besten Wege zur Selbstüberschätzung, gab sich bei dem Album aber sehr viel Mühe. Seine Freunde behaupten, "er steckte eine Menge Liebe in das Projekt ... Er ist ein WAHRER Beatles-Fan". Genügt das? Nun - wer solche Gitarren-interpretierten Stücke à la Shadows wirklich mag, bekommt handwerklich solide und perfekte Arbeit geboten.

Bisweilen zu perfekt - die Spontanität einer Gruppenaufnahme, wie die Beatles sie während ihrer frühen Aufnahmen spüren ließen, konnte Martinay - als All-In-One-Produzent natürlich nicht verwirklichen. Im Fazit bleibt festzustellen, die Songs sind teilweise zu nah an den Originalen dran, als daß Vergleiche sie nicht an den Rand des Zumutbaren drängen würden. Doch Ricky King ist Dreck dagegen.

Die CD ist mit 24 Stücken vollbepackt und bietet in knapp einer Stunde einen Reigen von "Can't Buy Me Love" bis zu "Let It Be". Die Veröffentlichungen des Labels Magic sind bekannt für ihren guten Sound.

Bezug und Trackliste

Die Scheibe kostet 12,00 EUR zzgl. Porto und Verpackung und ist zu beziehen über
M.A.M Production, B.P. 111 37541 St. Cyr Sur Loire Cedex, France,
Tel./Fax 33(0) 247 49-85 13 oder -2033,
E-Mail: martial.martinay@wanadoo.fr bzw. über die Plattenfirma www.magic-records.com

Weitere Informationen siehe auf Album-Webseite von Magic Records.

1 Can’t Buy Me Love 2:11
2 A Hard Days Night 2:29
3 If I Fell 2:19
4 I’ll Be Back 2:22
5 And I Love Her 2:31
6 Words Of Love2:01
7 You’ve Got To Hide Your Love Away 2:07
8 The Night Before 2:31
9 Yesterday 2:02
10 Tell Me What You See 2:35
11 Girl 2:27
12 If I Needed Someone 2:19
13 Run For Your Life 2:15
14 We Can Work It Out 2:11
15 Day Tripper 2:46
16 Eleanor Rigby 2:05
17 And Your Bird Can Sing 1:59
18 Here There And Everywhere 2:22
19 Got To Get You Into My Life 2:26
20 Penny Lane 2:56
21 Lady Madonna 2:14
22 Blackbrd 2:16
23 Because 2:42
24 Let It Be 3:46

Übrigens - das französische Label Magic Records ist spezialisiert auf nationale und internationale "Reissues" aus den 50er bis 80er Jahren. So erfreuten uns die Gallier vor einigen Jahren mit dem Denny-Laine-Album "Holly Days" - einer Paul McCartney Produktion.

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Gewinnspiel

German BEAT! verloste CD
"Electric Sound Orchestra meets the Beatles"

Frankfurt/Main (gbip/19.05.2005) - Wer in der German BEAT!-Redaktion demnächst Beatles-Instrumentals hören möchte, der soll sie gefälligst flöten, so die Order des Herausgebers. Denn das Rezensionsexemplar von "Electric Sound Orchestra meets the Beatles" wurde an einen Leser verlost.

Die Teilnahmebedingung war die, uns den Namen eurer Lieblings-Instrumentalversion eines Beatles- oder Solo-Beatlessongs zu schicken. Die Einsendungen war leider nicht so repräsentativ, daß man eine Hitparade daraus hätte machen können.

Der Favorit unseres Gewinner war im übrigen Chet Atkins mit "She's A Woman" aus dem Album "Picks on The Beatles".

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