Some Time in Big Liverpool
John Lennon: Walls And Bridges | Some Time In New York City [CD, VÖ: 4. November 2005]
Frankfurt/Main (gbip/21.11.2005/Update: 16.12.2005) - Mittlerweile haben die Klangrettungsaktionen des Lennon-Kataloges aus dem Hause Ono, Abbey Road & Co Tradition. Dieses Jahr wurden die beiden Re-Releaes "Some Time In New York City" und "Walls And Bridges" einer Generalüberholung unterzogen. Spätestens seit der Veröffentlichung des jüngsten Lennon-Best-Of war klar, dass das gut ausgehen würde. Sachen wie "Woman Is The Nigger Of The World", "Scared" oder "#9 Dream" klingen voll und differenziert. Seit 4. November sind die beiden CDs im hiesigen Handel erhältlich - die britischen und amerikanischen Fans mussten sich bis heute in Geduld üben.
Entgegen ursprünglichen Befürchtungen in Fankreisen enthalten die Alben interessante Bonustracks. Fakt ist aber auch, dass beide Werke - wie es auf verschiedenen Webseiten bereits bezeichnet wird - einer mehr oder weniger starken Revisionierung unterworfen wurden: Bei "Some Time ..." sind Teile des Fillmore-East-Gigs flöten gegangen. Bei "Walls And Bridges" spielte Ono vermeintlich die Yesterday-Woman. Das Label, dass eine Morphologie (dem ursprünglichen "Some Time ..."-Artwork entlehnt) von Yoko zu John zeigt, hinterläßt den Eindruck, die Platte sei einer innigen Liebesbeziehung zwischen ihr und John gewidmet. Doch - wir wissen's ja - das Album entstand zu einer Zeit, als der Ex-Beatle von Yoko getrennt lebte und eines der weniger Liebeslieder, wie "Surprise, Surprise" war seiner damaligen Geliebten May Pang gewidmet. Das Cover sieht zwar dem Konzept nach ähnlich aber anders aus. Gottseidank, dem obligatorischen "Copy Controlled"™-Logo beschieden die Layouter ein gut sichtbares aber dennoch dezentes Plätzen links auf dem Inlay in der "Scharnierseite" des Jewelcases.
Lennon Reloaded
Abmisch- und Remasteringprozesse sind immer ein Eingriff in die ursprüngliche Intention. Aber Ono ist nicht die einzige Künstlerin, die versucht ihren und die ihr in Obhut gegebenen Songs neues Leben einzuhauchen. (Yoko Ono) Lennon erfindet (John) Lennon neu - ein Konzept, dass im Großen und Ganzen willkommen und gelungen ist. Die Re-Releases klingen allesamt frisch und kräftig. Auch die Anthology-Box warf seinerzeit neues (Ausnahme Bootlegs) Licht in das Werk des Ex-Beatle. Vor allem die Discs 2 und 3 stellten eindrucksvoll das Potential der Songs dar, die mit den heutigen Re-Releases "Some Time ..." und "Walls And Bridges" hochglanzpoliert in die Läden kommen.
Walls And Bridges

© EMI Music Germany
Seit dem "Lost Weekend" sind rund dreißig Jahre vergangen. Yoko kannte John besser als wir alle zusammen, doch bei dem, was uns selbst Cynthia Lennon über Lennon gelehrt hat, war er jemand, der mit ganzer Seele in einer Sache (so auch Beziehung) aufgangen ist und sich zutiefst mit etwas identifiziert hat, dass er liebte. So jemand würde Lieder wie eben "Surprise, Surprise" heute sicher anders interpretieren und die Intensität eines kurzen Intermezzos in die Intensität der wiedererrungenen Liebe umlenken.
Soundtechnisch ist "Walls And Bridges" rundum ein Meisterstück, an dessen Qualität die Original-CD aus den achtziger Jahren nicht heranreichte. Musikalisch bleibt das Album einfach ein Trumpf. Die Band, allen voran Klaus Voormann und Jim Keltner werten die Produktion auf. Klasse ist die Idee - und da schließt sich der Kreis zu Yoko Ono wieder - einen Mitschnitt des Thanksgiving-Konzertes von Elton John 1974 in New York anzubieten, in dem Lennon im Duett drei seiner Songs zum besten gab. An jenem Abend soll sich das Ehepaar erstmals wieder getroffen haben. Der Rest ist Geschichte. Leider enthält dieser Mitschnitt lediglich das Stück "Whatever Gets You Thru The Night" - wäre doch ein feiner Zug gewesen, die beiden anderen Nummern auch aufzulegen.
Some Time In New York City
An die musikalische Qualität eines "Walls And Bridges" reicht "Some Time ..." nicht ganz heran. Bei Publikum und Kritikern gleichermaßen gefloppt, war das Album dennoch ein äußerst relevantes Album. Es manifestierte Lennons Einbindung in das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld der Stadt New York. Es forderte dem Ehepaar ihr gesamtes politisches Engagement ab, wenn es um die Rechte der Frauen, der Irischen Bevölkerung oder um die Freilassung politischer Aktivisten ging.
Soundtechnisch braucht auch hier nicht mit Lob gespart zu werden. Und was die Lennon-Alben zum Teil immer wieder "something special" macht, sind die Arrangements, die man - hier von Elephant's Memory dargeboten - so richtiggehend klar genießen kann. Ohne, dass wir das "fehlende" Fillmore-Zeug so ganz vergessen können, hat doch das neue Release mit "Listen, The Snow Is Falling" und "Happy Christmas (War Is Over)" den politischen Wind aufgenommen und zu einem schlüssigen Ende gebracht.
Das Fanmagazin Beatlemania hat die neue CD-Ausgabe genauer seziert, und stellen fest "am Ende von 'We're All Water' [fehlen] 2 min; der Track wurde von 7:11 auf 5:19 gekürzt. Die Aufnahme klingt jetzt zwar kompakter, aber die Abschluss-Schreie von Yoko fehlen. Auch 'Don't Worry Kyoko' ist jetzt 40 sec kürzer, hat nicht mehr 'Britain, you killed Hanratty, you murderer, you killed Hanratty.' Und 'Well, Baby Please Don’t Go' ist jetzt nur noch 4:33 (statt 4:40), am Ende fehlen ein paar Gitarrenriffs." [Hier] gehts zur ganzen fundierten Analyse.
Viele Sammler werden mit den neuen Re-Releases auch neue Erfahrungen machen, denn die beiden Original-CDs bleiben etwas besonderes und kommen so in der Form nicht mehr wieder.
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Offizielle Pressemitteilung
WIEDERVERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM JOHN-LENNON-BACKKATALOG

© EMI Music Germany
Köln (ots/03.10.2005; Update: 05.10.2005) - In dieser Woche ist die Retrospektive "Working Class Hero - The Definitive Lennon" erschienen, am 4. November lässt Parlophone die Wiederveröffentlichung von zwei Soloalben aus dem Lennon-Katalog folgen:
"Some Time In New York City" und "Walls And Bridges" vervollständigen eine Kampagne mit Wiederveröffentlichungen inklusive "remixed and/or remastered tracks". "Some Time In New York City" hat man hierfür vom ursprünglichen Doppelalbum auf eine CD komprimiert.
"Some Time In New York City" wurde 1972 erstveröffentlicht. Das Album behandelte ein weites Spektrum an Themen, darunter Feminismus, die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Nordirland. Außerdem reflektierte es den Umstand, dass sich John und Yoko einige Zeit zuvor in New York niedergelassen hatten und dort Teil einer radikalen, stark politisierten Kunstszene in der Umgebung ihres Greenwich-Village-Apartments waren. Darüber hinaus spiegelte das Album Johns neu entdeckte Liebe für New York wider, jene Stadt, die er liebevoll "a big Liverpool" nannte.
Some Time in New York City
Das Frontcover von "Some Time In New York City” zierte ein Pastiche der "New York Times”. Das Album wurde mit der Gruppe Elephants Memory eingespielt und enthielt mehrere Kompositionen von Yoko, es wurde ursprünglich von der Bonusplatte "Live Jam" ergänzt, deren Aufnahmen zwei unterschiedlichen Quellen entstammten. Bei der ersten handelte es sich um einen Auftritt der Plastic Ono Supergroup im Dezember 1969 in Londons Lyceum. Unter der Überschrift "Peace For Christmas" schlossen sich seinerzeit George Harrison, Eric Clapton und Keith Moon John und Yoko an. Die restlichen Tracks auf dem Original-Doppelalbum waren von einem Überraschungsauftritt bei Frank Zappas Fillmore East Show im Juni 1971. Yoko Ono beschloss diese Tracks wegzulassen, womit die neue Version des Albums auf eine CD passt.
"Als John anfing, 'Baby Please Don't Go' in der Fillmore East Show zu singen, war das ein Schrei seines Herzens an die beiden Avantgardekünstler, mit denen er die Bühne teilte: Frank Zappa und ich selbst. John sang einen Rock'n'Roll-Song mit einfachen Akkorden aus seiner Kindheit, Zappas großartige Band konnte dem nicht viel hinzufügen. Ich habe dem Ganzen mit meiner Stimme einen schrägen Dreh gegeben, während Frank auf seiner Gitarre jammte - aber das Hauptgefühl des Stücks war Liverpool pur. John sang einfach wunderbar. Ich fand, der Fillmore-Auftritt sollte nach diesem Titel aufhören und nicht in der langen, darauf folgenden Avantgarde-Improvisation, die von Frank und mir angeführt wurde, münden. John sollte das letzte Wort auf dem Album haben und uns von seiner Kindheit erzählen. Wenn ihr den ausgeflippten Teil vermisst, dann haltet einfach ein Mikrofon in eines der vielen Schlachtfelder auf der Welt. Dort hört ihr alles - weinende Kinder, schreiende Typen und gelegentlich sogar die Stille der Toten." Yoko Ono 2005
Die neue CD-Ausgabe wurde um "Listen, The Snow Is Falling" und "Happy Xmas (War Is Over)" erweitert. "Happy Xmas" war auf dem Original nicht vertreten, obwohl der Song damals kurz vor der Albumveröffentlichung als Single auf den Markt kam. "Listen, The Snow Is Falling" wurde 1971 auf die B-Seite der US-Single gepresst, ein Jahr später auch auf die der UK-Single. "Happy Xmas" entwickelt sich immer mehr zu einem der populärsten Weihnachtslieder aller Zeiten und bildete seinerzeit den musikalischen Mittelpunkt jener viel beachteten Friedenskampagne von John und Yoko, in deren Verlauf in bevölkerungsreichen Gebieten mehrerer Großstädte der Slogan "War is over! If you want it. Happy Christmas from John and Yoko” plakatiert wurde. Yoko ist dieser Idee treu geblieben und nutzt noch heute Plakate und Zeitschriftenanzeigen, um Friedensbotschaften zu verbreiten.
TRACK LISTING
WOMAN IS THE NIGGER OF THE WORLD
SISTERS O SISTERS
ATTICA STATE
BORN IN A PRISON
NEW YORK CITY
SUNDAY BLOODY SUNDAY
THE LUCK OF THE IRISH
JOHN SINCLAIR
ANGELA
WE'RE ALL WATER
COLD TURKEY (LIVE AT THE LYCEUM BALLROOM, 1969)
DON'T WORRY KYOKO (LIVE AT THE LYCEUM, 1969)
WELL (BABY PLEASE DON'T GO) (LIVE AT THE FILLMORE EAST, 1971)
LISTEN, THE SNOW IS FALLING
HAPPY XMAS (WAR IS OVER)
Alle Tracks wurden neu abgemischt, mit Ausnahme von "John Sinclair" und "Attica State", die man im Remastering-Verfahren nachbearbeitet hat.
Walls And Bridges
"Walls And Bridges" erlebte 1974 seine Erstveröffentlichung und enthält Beiträge von Elton John, Klaus Voormann, Jesse Ed Davis, Jim Keltner und Nicky Hopkins. Ein Song daraus, "Whatever Gets You Thru The Night", bescherte John seine erste Number-One-Hitsingle als Solist. Trotz oder gerade wegen des Durcheinanders in seinem Privatleben, das er damals durchmachte, wurde "Walls And Bridges" ein großartiges Album. Die neue Edition bietet drei Bonustracks, darunter eine Live-Version von "Whatever Gets You Thru The Night", aufgenommen am 28. November 1974 im Madison Square Garden. Dies war jene legendäre Show, in der Lennon zu einem Überraschungsauftritt mit Elton John auf die Bühne kam. Er löste damit Wettschulden ein, weil der Song - entgegen seiner Vorhersage - doch die Charts anführte. Die Show ist aus zwei Gründen in die Geschichte eingegangen: Erstens führte sie zur Aussöhnung von John und Yoko und brachte die beiden nach dem "lost weekend" endlich wieder zusammen; zweitens stand John Lennon an jenem Abend zum letzten Mal auf einer Bühne.
Die beiden anderen Bonustracks sind ein bislang unveröffentlichter Akustik-Outtake von "Nobody Loves You (When You're Down And Out)" und ein Interview aus Los Angeles, das ursprünglich von EMI UK als B-Seite einer Sonderpressung von "Whatever Gets You Thru The Night" veröffentlicht worden war.
TRACK LISTING
GOING DOWN ON LOVE
WHATEVER GETS YOU THRU THE NIGHT
OLD DIRT ROAD *
WHAT YOU GOT
BLESS YOU *
SCARED *
#9 DREAM
SURPRISE SURPRISE
STEEL AND GLASS
BEEF JERKY
NOBODY LOVES YOU (WHEN YOU'RE DOWN AND OUT) *
YA YA
Alle Tracks wurden neu abgemischt, mit Ausnahme der mit einem * versehenen Stücke, diese hat man einem Remastering unterzogen.
John Lennon wäre am 9. Oktober dieses Jahres 65 geworden.
Quelle: EMI Music Germany
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