Dream University
Frankfurt, Leinwandhaus, 1. Juni bis 26. Juni 2005

ein Hintern nicht
© Migrosmuseum
Frankfurt/Main (gbip/06.06.2005) - Vom 1. bis 26. Juni gibt Yoko Ono Frankfkurter Kunststudenten die Möglichkeit nach ihren Anleitungen im Rahmen ihrer "Dream University" zu arbeiten und neue Kunst zu schaffen. Eine begleitende Ausstellung nimmt die "Instruction Works" der japanischen Künstlerin zum Ausgangspunkt einer Reihe von Aktionen. So sollen zum Beispiel 365 Kopien mit dem Motiv eines menschlichen Hinterns für eine Woche in den Toiletten frankfurter Gaststätten aufgehängt und in Abständen fotografiert werden. Am Ende soll daraus ein bewegter Film entstehen. Bereits 1966 unterlegte Yoko mit derartigen Bildern, "eine Petition gegen den Vietnamkrieg, unterzeichnet mit Ärschen", so die Künstlerin.
Aus Anlaß der Ausstellungseröffnung reiste Yoko Ono am 31. Mai nach Frankfurt, um gemeinsam mit den Studenten der Frakfurter Städelschule zu experimentieren. So fügt sie im Rahmen des "Mend Piece" mit Hilfe eines Klebers die Scherben eines weißen Porzellangeschirrs wieder zusammen.
Schon wesentlich früher in ihrer Karriere greift Yoko Ono diese sehr radikale Kunstform auf, die den Betrachter an der Entstehung eines Kuntswerkes mit einbezieht und damit gleichzeitig die Entmystifizierung des Kunstobjektes herbeiführt. "Instructions" (zu deutsch Anweisungen) nennt man diese spezielle Art, bei dem ein kurzer Text das Publikum auffordert, etwas zu tun. Dabei beschränken sich diese Anweisungen keinesfalls auf Hinweise zum Malen eines Bildes. So sah eine ihrer Bühnen-Instructions Anfang der sechziger Jahre vor, von einem Ende einer Bühne zur anderen zu gehen, ohne ein Geräusch zu verursachen. Diese "Verfügung gegen Lärm" gepaart mit der Tatsache, daß ein zuschauer sich rückwärts bewegt, während die anderen sich vorwärts bewegen, bewirkte, daß sich alle extrem langsam - ja fast in Zeitlupe bewegten (siehe www.kunstwissen.de). Zu ihren bekanntesten Instructions-Arbeiten gehört "Grapefruit" - einen Teil der Auflage bestritt sie mit ihrem damaligen Mann John Lennon.
Das ist auch das sympatische an Yokos Arbeiten. Anders als viele andere Kunstwerke, läßt sie den Konsumenten selten in seiner Rolle. Sie zwingt ihn, daraus zu schlüpfen. "Nun, wenn sie heute als Künstlerin arbeiten, dann sind sie gezwungen, sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, daß bei jedem Kunstwerk seine Ewigkeit mitgedacht wird. Wenn nicht zufällig das Museum abbrennt - was natürlich passieren kann, aber das ist unwahrscheinlich- dann bleibt es so, wie es jetzt aussieht, unveränderlich für immer. Ich wollte im Gegensatz dazu Wandel und Veränderung zu einem Teil meiner Bilder machen und durch Einbeziehung der Zeit eine vierte Dimension integrieren, sie zu einem Teil meiner Bilder machen. Und dadurch dem Publikum sagen: Verändert Euch! Durch die "Instructions" kann man nun nicht nur eine vierte, sondern eine fünfte oder sechste Dimension in das Bild selbst einfügen. Solche Instruktionen können viele Male wiederholt werden. Das ist wie bei einem Musikstück, das man immer wieder übt. Aber viele Menschen wollen nicht verändert werden", so Yoko 1998 in einem Interview anläßlich iher Ausstellung "have you seen the horizon lately" in der Villa Stuck in München.
Die Ausstellung ist zu sehen im Leinwandhaus, Weckmarkt 17 in Frankfurt am Main. Bis 26. Juni. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr.
Die Präsentation der einzelnen Arbeiten wird unterschiedliche Formen annehmen und sich prozesshaft während der Ausstellungsdauer verändern.
Aktuelle Ausstellungsinformationen im Internet unter http://www.portikus.de/Aktuell.html
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Weitere Informationen
Links
- cbc.ca: Students recreate Yoko Ono art exhibit
- FAZ: Kein Wort über John Lennon
- Kunstmarkt.com: Yoko Onos Traumuniversum in Frankfurt
- Kurier.at: Yoko Ono stellt in Deutschland aus
- Passauer Neue Presse: Gegen den Mythos der Kunst
- Portal Kunstgeschichte: Trennung zwischen künstlersicher Konzeption und materialisierter Form
- Yahoo: Yoko Ono stellt in Frankfurt aus
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